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Einleitung
Während in Frankreich dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher Maurice
Papon*) der Prozeß gemacht wird und der Vatikan eine Erklärung zur
Verurteilung des Antijudaismus vorbereitet, läßt der neue rumänische
Generalstaatsanwalt, Sorin Moisescu verlauten, daß die
Rehabilitierungsverfahren von sechs Ministern der Antonescu-Regierung
eingeleitet wurden. Die spektakuläre Ankündigung blieb von den rumänischen
Medien weitgehend unbeachtet. Dabei handelt es sich um hochrangige
Würdenträger der Regierung unter Ion Antonescu, der vom 14 September 1940
bis zum 23. August 1944 Rumänien in eine militärfaschistische Diktatur
verwandelt hatte.
Kurz nach der
Wende forderten bereits zahlreiche rumänische Politiker und Organisationen
eine Rehabilitierung des 1946 als Kriegsverbrecher hingerichteten
Antonescu. Auf Druck des Auslands wurde wohl das Rehabilitierungsverfahren
des umstrittenen Diktators eingestellt, aber die Propaganda zugunsten
Antonescus ging unvermindert weiter. In mehreren rumänischen Städten wurden
Straßen nach ihm benannt, seine Anhänger initiierten die Errichtung von
Denkmälern, die Zeitungen berichteten überschwenglich über seine Heldentaten
während des "heiligen antibolschewistischen Krieges" an der Seite
Hitlerdeutschlands. Die parteiübergreifende Sympathie für Antonescu wurde
im Juni 1991 besonders deutlich, als ihn das Parlament mit einer
Schweigeminute ehrte. Nur die Abgeordneten der ungarischen Minderheit
verließen damals aus Protest gegen die postume Verherrlichung des
Hitler-Verbündeten den Saal.
Der jetzige
Generalstaatsanwalt Rumäniens begründete das Rehabilitierungsverfahren der
sechs Minister mit der Tatsache, daß es sich lediglich um
"Spezialisten" handelt, die keine Verantwortung für die
Verbrechen des Antonescu-Regimes trügen. Auf der vom Oberstaatsanwalt
bekannt gemachten Rehabilitierungsliste stehen die Namen von Petru
Nemoianu, Minister-Staatssekretär im Landwirtschaftministerium, später
Landwirtschaftsminister; Ioan Petrovici, Kulturminister; Constantin A.
Constantinescu, Minister für öffentliche Bauten und Kommunikation; General
Gheorghe Potopeanu, Minister-Staatssekretär im Wirtschaftsministerium,
später Landwirtschaftsminister und Oberverwalter von Transnistrien; General
Radu Rosetti, Minister-Staatssekretär im Ministerium für Unterricht, Kultur
und Kunst, später Unterrichtsminister; Gheorghe Docan,
Minister-Staatssekretär im Justizministerium. Wegen "Verbrechen gegen
die Friedensordnung" verurteilte ein Gericht die sechs Würdenträger im
Jahre 1949 zu Gefängnisstrafen zwischen 2 und 10 Jahren.
Inwiefern
diese sechs Mitglieder einer Regierung, die für den Tod von mindestens 120
000 Juden und mehr als 20 000 Roma verantwortlich ist, unschuldig sind, sei
dahingestellt. Tatsache ist, daß erstmals nach dem 2. Weltkrieg Mitglieder
einer faschistischen Regierung rehabilitiert werden sollen, was übrigens
auf die im vergangenen Herbst in Rumänien an die Macht gekommene neue - demokratisch
legitimierte - Regierung ein zweifelhaftes Licht wirft.
Für die
während der Antonescu-Diktatur begangenen Verbrechen gibt es unzählige
Belege, Zeugenaussagen und Berichte. Im September 1940 erklärten Antonescu
und seine Bündnispartner - aus der faschistischen "Legion des
Erzengels Michael", auch noch als "Eiserne Garde" bekannt -
Rumänien zum "nationallegionären Staat". Die demokratischen
Parteien wurden verboten, die Verfassung außer Kraft gesetzt, die Volkswirtschaft
"rumänisiert" (d.h. arisiert), die Juden aus sämtlichen
öffentlichen Stellen entlassen und mit Berufsverboten belegt, der jüdische
Besitz enteignet, die jüdischen Schüler und Studenten aus den rumänischen
Schulen und Universitäten ausgeschlossen. Diese diskriminierenden Maßnahmen
wurden unter dem Vorsitz des sich selbst zum Staats-Führer ernannten
Generals Antonescu und seiner Regierung durchgeführt. Im Zuge der
"Reorganisierung des Staates" bezeichnete Antonescu die
"methodische und progressive Lösung" der sogenannten
"Judenfrage" als eine der wichtigsten Aufgaben seiner Regierung.
Mit fanatischem Eifer versuchten die rechtsextremen Legionäre das Tempo der
Rumänisierungspolitik zu beschleunigen und gerieten dabei in Konflikt mit
Antonescu, der für eine militärisch-planmäßige "ethnische
Säuberung" eintrat. Im Januar 1941 versuchten die Legionäre die ganze
Macht an sich zu reißen. Die Legionärsrebellion endete in einem
unvorstellbaren Blutbad. Bewaffnete Legionäre wüteten im jüdischen Viertel
von Bukarest. Ihre Opfer hängten sie im Bukarester Schlachthaus an
Fleischerhaken auf. Während des Putschversuchs erhielt Antonescu
Rückendeckung von Hitler. Mit Hilfe der Armee gelang es ihm den
Staatsstreich seiner Bündnispartner niederzuschlagen.
Antonescu
setzte danach die antisemitische Legionärspolitik ohne Legionäre fort. Auf
eigene Faust ordnete er die systematische Internierung der Juden in
KZ-ähnlichen Einrichtungen an. Die unbeschreiblichen Greueltaten, die in
den Lagern von Transnistrien (dem von Rumänien während des Krieges eroberten
Gebiet zwischen Dnjestr und Bug) begangen wurden, hatten sogar
hartgesottene Nazi-Offiziere erschreckt.
"Das
nationale Wesen unseres Volkes muß vor einer Durchmischung mit jüdischem
Blut geschützt werden", forderte der Kulturminister Radu Rosetti im März
1941. Und der Stellvertreter des Staatsführers, Mihai Antonescu erklärte in
einer Rede vor dem Ministerrat am 8. Juli 1941: Ich plädiere "für die
gewaltsame Ausweisung aller jüdischen Elemente aus Bessarabien und der
Bukowina.(...) Es ist mir geichgültig, ob wir als Barbaren in die
Geschichte eingehen. Das römische Reich hatte sicherlich auch einige
barbarische Aktionen eingeleitet, im Widerspruch zu damaligen
Vorstellungen, aber es war trotzdem das glorreichste politische Gefüge.
Jetzt ist der günstigste Augenblick unserer Geschichte gekommen. Wenn es
notwendig sein sollte, feuert mit Maschinengewehren".
Bezüglich der
rumänischen Vernichtungspolitik notierte der Propagandachef der Nazis,
Joseph Goebbels im August 1941 in sein Tagebuch: "Und was die Judenfrage
anlangt, so kann man heute jedenfalls feststellen, daß z.B. ein Mann wie
Antonescu in dieser Angelegenheit noch viel radikaler vorgeht, als wir es
bisher getan haben. Aber ich werde nicht ruhen und nicht rasten, bis auch
wir dem Judentum gegenüber die letzten Konsequenzen gezogen haben."
Zusammen mit
den Chefs der verbotenen demokratischen Parteien organisierte der König am
23. August 1944 einen Putsch, der den Sturz der Antonescu-Regierung zur
Folge hatte. Rumänien schloß sich den Allierten an und wechselte danach die
Fronten.
William
Totok
28.10. 1997
*) PS: Nach knapp drei Jahren Haft ist der französische
NS-Kollaborateur und ehemalige Vichy-Funktionär Maurice Papon am 18.09.
2002 wegen seines schlechten Gesundheitszustands vorzeitig aus dem
Gefängnis entlassen worden. Papon starb im Februar 2007.
Postkommunistischer
Antonescu-Kult
1990-2012
Eine Chronologie
1940-44: Der
militärfaschistische Diktator und Hitlerverbündete, Ion Antonescu beteiligte
sich am Überfall auf die Sowjetunion. Verantwortlich am Tod von 410 000
Juden und etwa 30 000 Roma.
23. 08. 1944: Sturz durch einen Putsch, an dem auch der damalige König
beteiligt war.
1946: wegen Kriegsverbrechen hingerichtet.
1975: in der Ceausescu-Zeit erste Ansätze einer
"literarischen" Rehabilitierung Antonescus.
1990: in der postkommunistischen Presse wird Antonescu zum
"antibolschewistischen Helden" verklärt, zahlreiche Politiker
fordern eine Rehabilitierung Antonescus.
1991: Gedenkminute im rumänischen Parlament; die meisten
rumänischen Zeitungen leugnen den von Antonescu initiierten rumänischen
Holocaust; es erscheinen zahlreiche Bücher, in denen Antonescu als Held der
rumänischen Nation verherrlicht wird.
Am 8. Juli
verurteilen der amerikanische Senat und das Repräsentantenhaus den
Wiederauflebenden Antisemitismus in Rumänien sowie die gegen Elie Wiesel
gerichteten Angriffe der Medien.
Die Zeitung
„Adevarul“ leugnet am 11. Juli den rumänischen Holocaust und beschreibt
Antonescu als einen tragischehn Helden. Einige Tage später wiederholt die
ultranationalistische Organisation „Vatra Românesca“ (Rumänische
Heimstätte) die gleichen Argumente und greift im Parlament den Oberrabbiner
Moses Rosen an, weil er angeblich die Unwahrheit über den Pogrom von Iasi
(1941) verbreitet habe.
Die
Zeitschrift „Revista de istorie militara“, Nr. 1/1991, veröffentlicht auf
ihrem Umschlag ein Antonescubild und bezeichnet den Diktator als „eine
glänzende Figur in der Geschichte unseres Volkes“. Im gleichen Heft
erscheint der erste Teil aus dem Band mit Kriegsreportagen von
Constantin-Virgil Gheorghiu, „Ard malurile Nistrului“ – „Es brennen die
Ufer des Dnjestr“.
1993: in Slobozia wird am 22. Oktober ein erstes Antonescu-Denkmal
errichtet, in zahlreichen Städten werden Straßen nach ihm benannt;
Mehrere lokale
Verbände der Kriegsveteranen fordern die Errichtung von
Antonescu-Denkmälern in Tîrgu Mures und Piatra Neamt.
Am 30.
Dezember strahlt das rumänische Fernsehen einen vom TV-Studio der Regierung
und der Großrumänischen Partei (PRM) produzierten Film aus, in dem
Antonescu als makelloser Politiker dargestellt wird.
1994: in einem von Sergiu Nicolaescu produzierten Spielfilm,
„Oglinda“ (Der Spiegel) werden Antonescu und Hitler positiv dargestellt. Die
Presse lobt den Streifen.
Amerikanische
Politiker protestieren bei Staatspräsident Iliescu gegen den Antonescu-Kult
und gegen antisemitische Hetzartikel.
In Piatra
Neamt wird am 2. 11. ein neues Denkmal Antonescus enthüllt.
1995: die amerikanischen Senatoren Alfons d'Amato und Christopher
Smith protestieren in einem an Iliescu gerichteten offenen Brief gegen die
pro-Antonescu-Propaganda.
Die Antwort
Iliescus erscheint in der Zeitung „Adevarul“ vom 8. September. Darin heißt
es, niemand leugne in Rumänien die Verbrechen Antonescus.
Aus einer im
Mai veröffentlichten Umfrage geht hervor, dass 62 Prozent der Rumänen
Antonescu positiv einschätzen.
1996:die faschistische Partei Groß-Rumänien und die Liga
"Marschall Antonescu" entfachen eine großangelegte
Rehabilitierungskampagne.
Gheorghe
Funar, der nationalistische Bürgermeister der Stadt Cluj (Klausenburg),
kündigt die Errichtung eines Antonescu-Denkmals an.
In seinem, in
der Reihe „Große Verbrechen gegen die rumänische Nation“ erschienenen
Buch,“Monumente non grata. Falsi martiri maghiari pe pamantul romanesc“,
(Monumente non grata. Falsche ungarische Märtyrer auf rumänischem Boden)
behauptet der Historiker Petre Turlea, Antonescurumänien habe die Juden
gerettet und nicht eine Vernichtungspolitik wie Ungarn betrieben.
1997: der rumänische Generalstaatsanwalt kündigt die
Rehabilitierung von sechs Ministern der Antonescu-Regierung an; die
amerikanischen Senatoren Alfonse D'Amato und Christopher Smith schreiben an
Staatspräsident Emil Constantinescu und fordern ihn auf, das
Rehabilitierungsverfahren zu stoppen;
1998: Unterstaatssekretär der Antonescu-Regierung, Toma Petre
Ghitulescu wird rehabilitiert.
1999: das rumänische Parlament ehrt Antonescu in einer Feierstunde,
seine Rehabilitierung wird von mehreren Abgeordneten gefordert, inklusive
von Ioan Moisin (einem Vertreter der regierenden Christ-Demokratischen
Nationalen Bauernpartei).
Rehabilitierung
des Premierministers, Ion Gigurtu, in dessen Regierungszeit (1940) die
rumänischen Rassengesetze verabschiedet wurden.
2000: Rehabilitierung von Netta Gheron (1944 Finanzminister unter
Antonescu);
Markus Meckel
(SPD/MdB) protestiert gegen die Umbenennung einer Strasse in Temeswar nach
Antonescu und ersucht den Oberbürgermeister der Stadt "diese Entscheidung
zu überdenken", weil "vor dem Hintergrund der bevorstehenden
Verhandlungen mit der Europäischen Union diese positive Berufung auf eine
antidemokratische Tradition das falsche Signal" sein könnte.
Staatsminister
im Auswärtigen Amt, Christoph Zöpel (SPD), erklärt angesichts der
Rehabilitierungsversuche von Antonescu in Rumänien und Josef Tiso in der
Slowakei: "Die würdigende Erinnerung an faschistische Politiker, mit
Unterstützung der Regierung, ist ein Grund, an der EU-Fähigkeit eines Landes
zu zweifeln."
Eine neue
Antonescu-Büste wird anlässlich des Heldenfeiertags (am Tage des orthodoxen
Christi-Himmelfahrt-Festes, am 8. Juni) auf dem Militärfriedhof von Letcani
(in der Nähe von Iasi/Jassy) enthüllt. Der Militärfriedhof trägt den Namen
Antonescus.
Auf einem
Gebäude in der Bukarester Straße Constantin Tanase
(Vatra-Luminoasa-Viertel) wurde eine Antonescu gewidmete Gedenktafel
enthüllt. Der Diktator wurde nach seiner Entmachtung am 23.8. 1944 in dem
besagten Haus zeitweilig festgehalten.
2001: Bei den Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des 60. Jahrestages
der „Legionärsrebellion" (21.-23. 01. 1941) verurteilte Präsident
Iliescu die antisemitischen Ausschreitungen der rumänischen Faschisten.
Gleichzeitig aber sprach er auch von übertriebenen Opferzahlen, die
Rumänien zu Unrecht angelastet würden.
Der
Bürgermeister der ostrumänischen Stadt Bacau, Dumitru Sechelariu (PDSR)
beabsichtigt ein Antonescu-Denkmal zu errichten.
Iosif
Constantin Dragan wurde Ende März erneut zum Ehrenvorsitzenden der „Liga
Marschall Antonescu“ gewählt. Auf dem Kongress der Liga wurde zudem der
Zusammenschluss der Liga und der Stiftung Antonescu beschlossen.
Vorsitzender: Gh. Buzatu; seine Stellvertreter: Radu Theodoru, Jipa Rotaru,
Ion Coja.
Anlässlich des
55. Todestages von Antonescu wurde im Hof der Bukarester Kirche Sfintii
Imparati Constantin si Elena am 1. Juni eine Büste des früheren Diktators
enthüllt. An der Zeremonie nahmen u.a. Corneliu Vadim Tudor (Chef der
großrumänischen Partei, PRM), Gheorghe Buzatu (Historiker, PRM-Senator und
Vorsitzender der „Liga Marschall Antonescu“), Ilie Ilascu (PRM-Senator),
Iosif Constantin Dragan (Ehrenvorsitzender der „Liga Marschall Antonescu“)
teil. Wegen seiner Teilnahme an der Zeremonie wurde der frühere
Generalstabschef der Armee, General Mircea Chelaru in den Ruhestand
versetzt.
Anlässlich des
10. Jahrestages der Partei Groß-Rumänien (PRM) wurde Anfang Juni im Rahmen
einer Feierstunde die Forderung erhoben, Antonescu heilig zu sprechen,
einigen Militärschulen seinen Namen zu geben, eine "symbolische
Bestattung im Pantheon der Helden und Märtyrer" zu organisieren und
ein ihm gewidmetes Museum einzurichten.
Der rumänische
Premier Adrian Nastase kündigte Ende Oktober während seines Besuches in den
USA an, sämtliche Antonescu-Denkmäler entfernen zu lassen. Gleichzeitig
gibt er bekannt, dass ein neues Gesetz verabschiedet wird, das
antisemitische und rassistische Symbole und Äußerungen unter Strafe stellt.
2002: Die neofaschistische Zeitschrift "România Mare"
setzt ihre Rehabilitierungskampagne fort.
Nach einem
Streit mit Corneliu Vadim Tudor verlässt der großrumänische Parlamentarier
und frühere Herausgeber der fremdenfeindlichen und antisemitischen
Hetzgazette "Europa" (1990-1996), Ilie Neacsu die Partei
Groß-Rumänien (PRM) und wird mit offenen Armen von der regierenden
Sozialdemokratischen Partei (PSD) aufgenommen. Der Vorsitzende der PSD und
amtierende Regierungschef Adrian Nastase verharmlost die
fremdenfeindlichen, antiwestlichen und antidemokratischen Äußerungen Neacsus
mit dem Hinweis, dieser sei "in letzter Zeit ja nicht mehr als
Extremist rückfällig geworden". (Anfang September verlässt Neacsu auch
die regierende, PSD, - ohne jedoch aus der Parlamentsfraktion der
Regierungspartei auszutreten - und wird Mitglied der 1992 entstandenen,
heute unbedeutenden Rumänischen Sozialistischen Partei, PSR.)
Während eines
Fußballspiels - Dinamo-Rapid - auf dem Bukarester Dinamo-Stadion hissen
rechtsextreme Dinamo-Fans am 17. März ein übergroßes Antonescu-Bild und
skandieren rassistische Parolen. Nach dem Motto: "Die einzige Lösung
ist Antonescu" fordern die rechtsextremistischen Anhänger des dem
Innenministerium nahestehenden Dinamo-Fußballclubs schon seit Jahren die
Vernichtung der Anhänger und Spieler von Rapid, die sie als Zigeuner
bezeichnen. Auf der mit einem Hakenkreuz geschmückten Internetseite der
Dinamo-Fußballrowdys ist der Spruch "Sieg Heil, Kameraden" zu
lesen.
In einer am
18. 3. vom rumänischen Fernsehsender Pro TV ausgestrahlten Debatte leugnet
der Historiker und großrumänische Senator Gheorghe Buzatu erneut den
rumänischen Holocaust. Gleichzeitig kündigt er die Veröffentlichung einer
vierbändigen Antonescu-Biografie an.
Die rumänische
Regierung verbietet per Dringlichkeitsverordnung (31/2002) die Gründung
faschistischer, rassistischer oder fremdenfeindlicher Organisationen. Die
Mitgliedschaft in solchen Organisationen sowie die Verbreitung, den Besitz
oder die Verwendung faschistischer, rassistischer oder fremdenfeindlicher
Symbole soll künftig mit Haftstrafen geahndet werden. Wer den Holocaust
leugnet oder dessen Auswirkungen öffentlich anzweifelt wird ebenfalls mit
Gefängnis bis zu 5 Jahren bestraft. Verboten sind auch Straßenbenennungen
nach Kriegsverbrechern oder Faschisten, die Errichtung von Statuen oder das
Anbringen von Gedenktafeln für Personen, die sich wegen Verbrechen gegen
die Menschlichkeit oder den Frieden schuldig gemacht haben.
In einer
Ansprache vor den Vertretern der jüdischen Gemeinschaften aus den
NATO-Kandidatenländern, die anlässlich des Gipfeltreffens der sogenannten
Vilnius-Gruppe in Bukarest tagten, verwies Präsident Ion Iliescu am 27.
März darauf, dass "die Rumänen weder Antisemiten waren noch
Antisemiten sind". Die Aussage Iliescus könnte als eine indirekte
Replik auf eine Darlegung des amerikanischen Botschafters aus Bukarest,
Michael Guest gedeutet werden, in der dieser zeigte, dass die Verbrechen
des Antonescu-Regimes auch von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung
mitgetragen wurden. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinschaft aus Rumänien,
Nicolae Cajal begrüßte die Regierungsmaßnahmen gegen den postumen
Antonescu-Kult und unterstrich die Tatsache, dass selbst wenn
"Antonescu ein Patriot war, er gleichzeitig auch ein Kriegsverbrecher
gewesen ist".
Drei Senatoren
erklärten am 2. April im Parlament, dass Rumänien keine Schuld am Holocaust
habe. Der sozialdemokratische Senator Adrian Paunescu, der frühere
Justizminister und derzeitige liberale Senator, Mircea Ionescu Quintus
sowie der groß-rumänische Senator Corneliu Vadim Tudor sprachen übereinstimmend
vom Versuch, das rumänische Volk ungerechtfertigterweise zu beschuldigen.
Tudor sagte wörtlich: "jemand habe ein Interesse, dass rumänische Volk
als kriminell darzustellen", während Quintus all jene aufforderte,
sich zu entschuldigen, die Rumänien unbegründet des Holocaust bezichtigen.
Tudor warf Premierminister Adrian Nastase vor, "Antonescu ein zweites
Mal zu töten". Die geplante Beseitigung der errichteten
Antonescu-Statuen bezeichnete er als eine "nationale Schande".
(Piatra Neamt ist die erste Stadt Rumäniens, die ein Antonescu-Denkmal
entfernen ließ. Ende April wurde der Antonescu-Platz in Bahnhofsplatz –
Piata Garii - umbenannt.) Trotz des Dringlichkeitserlasses der Regierung
wurden bislang die in zahlreichen Städten existierenden Straßennamen nach
Antonescu beibehalten.)
Am 15. April
wurde auch das Antonescu-Denkmal in Slobozia beseitigt.
Die Regierung
forderte die Kommunen ultimativ auf, bis zum 15. Mai sämtliche
Antonescu-Straßen umzubenennen und alle existierenden Denkmäler und Gedenktafeln
zu entfernen.
Die liberale
Senatorin Norica Nicolau (Mitglied im parlamentarischen
Verteidigungsausschuss) kritisierte die Dringlichkeitsverordnung der
Regierung, aufgrund derer die Holocaustleugnung strafbar ist und erklärte
am 9. April: "Durch diese Verordnung möchte die Nastase-Regierung die
Geschichte auf die Anklagebank bringen". Die jüdische Gemeinde
Rumäniens äußerte ihr Befremden gegenüber der Forderung einiger
Spitzenvertreter der National-Liberalen Partei (PNL), die Leugnung des Holocaust
nicht juristisch zu belangen.
Bei einer
Begegnung mit Studenten der Universität "Ovidius" aus Konstanza
erklärte Staatspräsident Ion Iliescu am 16. April, Ion Antonescu habe auch
"positive Sachen" durchgesetzt, seine große Schuld aber sei es
gewesen, Rumänien an der Seite Deutschlands in den Krieg geführt zu haben.
Während die
rumänische Exekutive per Erlass Antonescudenkmäler und –straßen verbietet,
wurde im Flur des Regierungsgebäudes ein Bild des ehemaligen Diktators
aufgehängt und die "Gemäldesammlung der rumänischen
Ministerpräsidenten" vervollständigt. Diese Ehrung gilt, laut Serban
Mihailescu, dem Generalsekretär der Regierung, allen rumänischen
Ministerpräsidenten und ist als eine "Geste der Anerkennung für ihren
Beitrag zur Entwicklung Rumäniens im letzten Jahrhundert" zu
verstehen. (In einem Brief - vom 28.6.2002 - an Adrian Nastase forderte die
amerikanische Helsinkikommission den rumänischen Premier auf, das
Antonescu-Porträt zu entfernen. In dem u.a. von Hillary Clinton und Christopher
Smith unterzeichneten Schreiben wird gleichzeitig die Beseitigung der
Antonescu-Statuen in Bukarest, Sarmas, Calaras und im Gefängnishof von
Jilava – wo der frühere Diktator 1946 hingerichtet wurde – verlangt.
Kulturminister Razvan Theodorescu streitet die Vorwürfe ab, während der
großrumänische Senator, Gh. Buzatu im Rahmen einer von der Rumänischen
Akademie organisierten Konferenz erneut die Mitschuld Antonescus am
Holocaust leugnet.)
Die
groß-rumänische Partei (PRM) und die Liga Marschall Antonescu feierten am
1. Juni 2002 in der vom früheren Diktator gestifteten Bukarester Kirche der
Heiligen Konstantin und Helena den 120 Geburtstag des ehemaligen
faschistischen Staatsführers. In der gleichen Kirche fand ein Requiem
anlässlich des 56. Todestages von Antonescu statt. Mitglieder der
PRM-Jugendorganisation entfernten das Tuch, mit dem die im Kirchhof
errichtete Büste Antonescus verhüllt worden war, nachdem die
Regierungsverordnung in Kraft getreten ist. Gh. Buzatu hielt am 3. Juni im
Senat eine Rede, in der er an die Verdienste Antonescus erinnerte. Die Rede
wurde im Parteiblatt "România Mare" veröffentlicht. Auch die
Tageszeitung "România libera" widmete dem 56. Todestag Antonescus
einen langen Aufsatz, der in der wöchentlichen Beilage "Aldine"
abgedruckt wurde.
Die Mitglieder
des Stadtrats aus Oradea/Großwardein stimmten Anfang Juni gegen eine
Umbenennung des Antonescu-Boulevards. Gegenstimmen kamen bloß seitens der
Vertreter des Demokratischen Verbandes der Ungarn (UDMR). Gegen eine
Umbenennung einer Antonescu-Straße stimmten im Juli auch die Stadväter von
Botosani, um sie schließlich Anfang August doch zuzulassen. Die in Temeswar
existierende Antonescu-Chaussee (früher: Bogdanestilor) war auch Ende Juni
noch nicht umbenannt worden.
Der Senat
definierte den Holocaust als systematische Vernichtung der europäischen
Juden in den Vernichtungslagern der Nazis während des 2. Weltkriegs. Diese
Definition soll demnächst in das Gesetz einfließen, das aufgrund der
Regierungsverordnung 31/2002 vom Parlament verabschiedet werden soll.
Dadurch wird die von Antonescu angezettelte Vernichtungsaktion rumänischer
und sowjetischer Juden verniedlicht.
Anlässlich des
75 Gründungstages der faschistischen "Legion des Erzengels
Michael" (24.6.1927) versammelten sich in Bukarest mehrere
Altlegionäre und junge uniformierte Sympathisanten dieser Organisation zu
einer Gedenkveranstaltung. Serban Suru, der selbsternannte Chef der
"Legionärsbewegung" und Vorsitzender der Bukarester Filiale der
Nationalchristlichen Vereinigung "Petre Tutea" erklärte bei
dieser Gelegenheit: "Ich, Serban Suru, leugne hier und jetzt den
Holocaust!" (Zusammen mit Vertretern anderer revisionistischer
Organisationen, wie dem Verband der Kriegsveteranen und deren Nachkommen,
der Liga zur Bekämpfung des Antirumänismus – LICAR -, der Vereinigung Vatra
Româneasca – Rumänische Heimstätte -, protestierte Suru im großrumänischen
Parteiblatt, "România Mare" gegen die Regierungsverordnung, die
jegliche faschistische Betätigungen untersagt.)
Anlässlich der
Ende Juli erfolgten Einweihung, der im Geburtshaus Elie Wiesel errichteten
"Gedenkstätte Elie Wiesel" in Sighet, forderte der
Friedensnobelpreisträger Präsident Iliescu auf, die gesamte Wahrheit über
den von Antonescu mit verschuldeten Holocaust öffentlich zu thematisieren.
In einem Zeitungsinterview bezeichnete Elie Wiesel den postkommunistischen
Antonescu-Kult als "einen unehrenhaften Schandfleck" für
"das rumänische Volk, die politische Klasse und Kultur".
Der
Vorsitzende der Nationalen Einheitspartei der Rumänen (PUNR),der
umstrittene Ex-General Mircea Chelaru forderte am 2. August die
Durchführung eines Referendums über die Rechtmäßigkeit der
Regierungsverordnung, die die Verherrlichung faschistischer
Persönlichkeiten und die Holocaustleugnung untersagt.
Rumänischen
Presseberichten zufolge wurden bis Anfang September von den landesweit
insgesamt 25 extistierenden Antonescustraßen 10 umbenannt. Darunter auch
jene in Oradea/Großwardein und Cluj/Klausenburg.
Wegen
wiederholter "Anstiftung zur Hetze gegen Juden, Roma und sexuelle
Minderheiten" wurde dem privaten TV-Sender OTV am 12. 09. die Lizenz
entzogen. Anlass für diese umstrittene Maßnahme war ein am 10.09.
ausgestrahltes Gespräch mit dem Chef der neofaschistischen Groß-Rumänien
Partei, Corneliu Vadim Tudor, der erneut die Juden und Roma beschimpfte.
Tudor durfte auch schon früher als Gast des Moderators Dan Diaconescu
auftreten. Die Protokolle dieser TV-Gespräche wurden anschließend in
mehreren Folgen in der Zeitschrift "România Mare" abgedruckt.
Präsident Iliescu bezeichnete die Sendung als "Instrument des Hasses
und der Intoleranz". Der Rumänische Presseklub begrüßte die
Entscheidung des Nationalen Rates für audiovisuelle Medien, OTV die Lizenz
zu entziehen.
Die „Liga Pro
Europa“ protestierte am 16.10. 02 gegen die Zunahme antisemitischer
Straftaten und forderte die zuständigen Behörden auf, strafrechtliche
Maßnahmen gegen rassistische und fremdenfeindliche Umtriebe einzuleiten.
Anlass des Protestes waren antisemitische Losungen, die Unbekannte in Bukarest
und Klausenburg auf öffentliche Gebäude schmierten.
Ion Coja
veröffentlicht die revisionistische Broschüre „Holocaust in Rumänien?“ und
organisiert zusammen mit den rechtsradikalen Organisationen, LICAR,
Sarmisegetuza und Gh. Manu die Tagung: „Rumänismus und Anti-Rumänismus“
(27.-28.11.2002). Die Teilnehmer an der Tagung kamen zur Schlussfolgerung,
in Rumänien gäbe es so etwas wie einen „institutionalisierten
Antirumänismus“, den man aufhalten müsse.
Ion Coja
erhielt übrigens auch den Preis der Humanistischen Stiftung "România
Mare" 2002 - für seine "gesamte Tätigkeit im Interesse des Landes
als Führer der Landesvereinigung Vatra Româneasca". Unter den
Preisträgern der letzten 12 Jahre befinden sich u.a.: Edgar Papu
(Theoretiker des sogenannten Protochronismus), Raoul Sorban
(antiungarischer Publizist), Ion Lancranjan (nationalistischer Romancier),
Radu Theodoru (Romancier und Verfasser antisemitischer Machwerke), Mircea
Musat, Ion Ardeleanu (nationalistische Historiker), Radu Ceontea (Ex-Chef
der "Vatra Româneasca"), Romulus Vulpescu (nationalistischer
Dichter), Iosif Constantin Dragan (Herausgeber zahlreicher
antonscufreundlicher Schriften), Grigore Vieru (nationalistischer Dichter
aus der Republik Moldau), Dan Zamfirescu (nationalistischer Historiker und
Theologe), Mihai Ungheanu (protochronistischer Literaturkritiker), Ioan
Alexandru (orthodox-nationaler Poet), Gheorghe Zamfir (Panflötenspieler),
Neagu Cosma (ehemaliger Geheimdienstgeneral, Verfasser apologetischer
Schriften auf die Securitate), Dumitru Dragomir (Gründer des Blattes
"Atac la persoana" - "Persönlicher Angriff"), Dan
Diaconescu (TV-Moderator - OTV), Eugen Florescu (früherer
national-kommunistischer Propagandasekretär und Oberzensor unter
Ceausescu), Doina und Ion Aldea Teodorovici (nationalistische Liedermacher
aus der Moldaurepublik), Ilie Ilascu (moldauischer Nationalist), Constantin
Galeriu (nationalgesinnter orthodoxer Priester), Sergiu Nicolaescu (Autor
nationalhistorischer Filme), Sabin Balasa (Hofmaler Ceausescus), Pavel
Corut (ehemaliger Securitateoffizier und Verfasser nationalistischer
SF-Literatur), Nedic Lemnaru (nationalistischer Memoirenschreiber und
Ratgeber der völkischen Dichter, Nichifor Crainic und Radu Gyr).
2003: In Temeswar wurde am 20. Januar erstmals ein Jugendlicher zu
einer Geldstrafe aufgrund der Bestimmungen der Dringlichkeitsverordnung
verurteilt, weil er auf eine Wand ein Hakenkreuz gezeichnet hatte.
Dorel Dorian
(Vertreter der rumänienjüdischen Minderheit im Parlament) appelliert in
einer Stellungnahme an die Regierungsbehörden, die im Frühjahr 2002
veröffentlichte Dringlichkeitsverordnung (31/2002) zu ratifizieren. In
einem in der „Realitatea evreiasca“ (Nr.180/03) veröffentlichten
Antwortschreiben beteuert der Kultusministers, die Legalisierung sei nicht vergessen,
sondern nur aufgeschoben worden.
Das Oberhaus
des rumänischen Parlaments – derSenat – nahm am 20.März erneut die Debatte
bezüglich der Verabschiedung des Gesetzes auf, das auf der vor einem Jahr
veröffentlichten Dringleichkeitsverordnung 31/2002 basiert und eine
Bestrafung faschistischer Umtriebe vorsieht. Rumänische Zeitungen forderten
in diesem Zusammenhang erneut eine Gleichsetzung von kommunistischer und
faschistischer Propaganda.
Der
Bürgermeister von Cluj/Klausenburg, Gheorghe Funar (Mitglied der
großrumänischen Partei – PRM) wurde aufgrund der Bestimmungen der
Dringlichkeitsverordnung Nr. 31/2002 am 14. April zu einer Geldstrafe
verurteilt, weil er die Entwürfe für ein geplantes Antonescu-Denkmal
öffentlich ausgesteltt hatte.
Auf einer
Tagung der Allianz für die Monarchie in Sibiu/Hermannstadt leugnete einer
der Teilnehmer – Fornea Badulescu – den rumänischen Holocaust und forderte
die Gründung eines Museums, um die „Mystifizierungen“ des Holocaustmuseums
aus Washington zu widerlegen.
In einem am
12. Juni 2003 verbreiteten Kommuniqué der rumänischen Regierung wird der
von Antonescu geplante und durchgeführte Holocaust geleugnet. Angesichts
der Welle internationaler Proteste, die diese Erklärung auslöste,
relativierte die Regierung das Kommuniqué mit dem irreführenden Hinweis,
der Holocaust habe nicht auf dem Territorium Rumäniens stattgefunden,
sondern in Provinzen, die nicht zum rumänischen Staatsgebiet gehörten.
Bessarabien, die Nordbukowina und Transnistrien – wo die Juden deportiert
sowie systematisch in KZ-ähnlichen Einrichtungen und Gettos vernichtet
wurden – gehörten jedoch in der Zeitspanne 1941-1944 zu Rumänien oder
unterstanden rumänischen Verwaltungsbehörden (Odessa und Transnistrien).
In einem
Interview mit der israelischen Zeitung „Ha'aretz“ relativierte der
rumänische Staatspräsident Ion Iliescu am 25. Juli den von den
Antonescu-Behörden verschuldeten Holocaust. Seine Aussagen wurden in Israel
mit Befremden aufgenommen. In einer Stellungnahme erklärte er vor
rumänischen Journalisten: „Es gab keinen rumänischen Holocaust, keinen
deutschen oder polnischen. Es handelte sich um einen allgemeinen Prozess;
dieses europäische Phänomen hatte auch eine rumänische Komponente“.
Präsident
Iliescu übernahm am 22. Oktober die Schirmherrschaft einer internationalen
Expertenkommission, die sich mit den Fragen des rumänischen Holocaust
beschäftigen wird. In die von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel
präsidierte Kommission wurden u.a. auch die Halbjahresschrift-Autoren
Hildrun Glass, Leon Volovici, Michael Shafir, Mihai Dinu Gheorghiu und
William Totok berufen. In einem für Herbst 2004 geplanten Bericht sollen
die bis dahin erarbeiteten Forschungsergebnisse gebündelt werden und als
Leitlinie für die Erstellung jener Kapitel aus den Geschichtslehrbüchern
dienen, die dem Holocaust gewidmet sind.
2004: In der wöchentlichen Beilage der Tageszeitung „România
libera“ – Aldine – erscheint am 09.01.04 ein Artikel von Liviu Timbus, in
dem das faschistische Antonescu-Regime auf die gleiche mystifizierende
Weise wie in der bekannten revisionistischen Literatur präsentiert wird.
Der Autor hebt die politischen Tugenden des Regimes hervor und behauptet,
im Gegensatz zur kommunistischen Ära habe es in der Antonescu-Zeit keine
Gleichschaltung gegeben. Die Bürger konnten ohne Furcht vor Repressalien
ihre Meinung frei äußern, nur eine Gruppe von moskauhörigen Kommunisten sei
im Lager von Tîrgu Jiu isoliert worden. Der Autor behauptet außerdem, das
Regime habe keinerlei Druck auf das „Unterrichtswesen und die nationale
Kultur ausgeübt“, sondern sich durch „Toleranz, Menschlichkeit und
Patriotismus“ ausgezeichnet.
Ion Coja, Chef
der Liga zur Bekämpfung des Antirumänismus (LICAR) kündigt in der „România
Mare“ (Nr. 707/30.01.04) die Gründung einer eigenen Kommission an, die den
Holocaust erforschen soll. Sie ist als eine Art Gegenkommission zu der von
Elie Wiesel präsidierten Expertenkommission gedacht, die sich mit dem
rumänischen Holocaust beschäftigt.
In Rumänien
wird der 9. Oktober alljährlich als Holocaustgedenktag begangen. Am 9.
10.1941 erließ Antonescu den Befehl zur Deportation der rumänischen Juden.
Der
Spitzenkandidat der Nationalen Christdemokratischen Partei (PNDC) – ein
Ableger der Organisation „Neue Rechte“ – für das Oberbürgermeisteramt der
rumänischen Hauptstadt, Ion Coja, versprach im Falle seiner Wahl am 6.6.
die Verdienste Antonescus durch die Errichtung eines Denkmals zu würdigen.
Die auch in anderen Städten angetretenen Kandidaten dieser Gruppierung
erhielten nur eine geringe Stimmenanzahl.
Die
wöchentliche Beilage der Zeitung „România libera“ – Aldine – vom 23. Juli
2004 veröffentlichte einen langen Lobgesang auf den „heiligen Krieg“
„unseres Marschalls“ Antonescu,. Der Verfasser, Teodor Simionescu,
bezeichnet darin die Kriegsbeteiligung Antonescus an der Seite
Hitlerdeutschlands als dessen Glauben „an den Endsieg über den
atheistischen Bolschewismus“ und an die Befreiung der geraubten Gebiete
durch die Sowjetunion. Gleichzeitig spricht er sich für eine
Rehabilitierung des seiner Meinung nach „unrechtmäßig“ verurteilten
Diktators aus und für die Wiedererrichtung seiner in einigen Städten
geschleiften Statuen.
In Rumänien
fanden (am 12. 10. 04) zum ersten Mall offizielle Feierlichkeiten
anlässlich des Holocaust-Gedenktages statt, der alljährlich am 9. Oktober
(dem Tag, als Antonescu 1941 die Deportationen der Juden angeordnet hatte)
begangen wird. Im Namen der revisionistischen Gruppierungen Uniunea Vatra
Româneasca (Rumänische Heimstätte), Liga pentru Combaterea
Anti-Românismului (Liga zur Bekämpfung des Antirumänismus) und Asociatia
Veteranilor de Razboi si a Urmasilor Veteranilor (Vereinigung der
Kriegsveteranen und deren Nachkommen) präsentierte Ion Coja einen Tag vor
den Gedenkveranstaltungen einen Sammelband mit Studien und Aufsätzen -"Protocoalele
Kogaionului“, „Die Protokolle Kogaions“ -, in denen der Holocaust geleugnet
wurde.
Am 11. 11.
2004 legt die von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel geleitete
internationale Kommission zur Erforschung des rumänischen Holocaust ihren
Abschlussbericht vor. In den Schlussfolgerungen heißt es u.a., dass außer
Deutschland nur noch Rumänien in einem vergleichbaren Ausmaß in Massaker an
Juden involviert gewesen sei. Die Zahl der im Bericht angegebenen jüdischen
Opfer liegt zwischen 280 000 und 380 000, die der Roma umfasst mindestens
11 000 Personen.
Elie Wiesel
hat am 16. 12. 04 seinen im Jahr 2002 erhaltenen rumänischen Verdienstorden
aus Protest zurückgegeben, nachdem der scheidende Staatspräsident Ion
Iliescu den als Antisemiten bekannten Chef der rechtsextremen
Großrumänien-Partei (PRM), Corneliu Vadim Tudor und den revisionistischen
Historiker und Holocaustleugner, Gheorghe Buzatu mit hohen Staatsorden
ausgezeichnet hatte. Dem Beispiel Wiesels folgte am 17. 12. auch der
bekannte amerikanische Historiker des Holocaust, Randolph L. Braham (der
Mitglied der Holocaustkommission war), indem er den im November 2004
empfangenen höchsten Orden „Steaua României“ (Stern Rumäniens) zurückgab.
2005: Das Tuch, mit dem seit 2 Jahren eine im Hof der Bukarester
Kirche der Heiligen Konstantin und Helene (Constantin si Elena) errichteten
Antonescu-Statue bedeckt war, haben Unbekannte entfernt. Auf die Wand der
Kirche sprayten sie die Losung „Antonescu – Nationalheld“.
Anlässlich des
60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27.
Januar 1945, erklärte die rumänische Regierung, die im November 2004
vorgelegten Empfehlungen der Internationalen Kommission zur Erforschung des
rumänischen Holocaust in die Tat umzusetzen.
Am 4. März 2005 fand in der Universität von Pitesti
eine Konferenz statt, deren Themenschwerpunkt die Antonescu-Zeit war. Der
Konferenzsaal war mit einem Bild Antonescus in Uniform geschmückt. Unter
den Teilnehmern befanden sich der Bürgermeister der Stadt und der Rektor
der Universität sowie zahlreiche Studenten, deren Lehrveranstaltungen
suspendiert wurden, um ihnen die Teilnahme zu ermöglichen. Als Referent
trat Gheorghe Buzatu auf, Rektor der Universität Craiova und in der
Zeitspanne 2000-2004 Senator der großrumänischen Partei (PRM). Die
Teilnehmer kritisierten nicht den Abschlussbericht der Internationalen
Kommission zur Erforschung des rumänischen Holocaust, wie dies seit Anfang
dieses Jahres bereits in mehreren Artikeln der Fall war, sondern äußerten
bloß ihre Vorbehalte gegenüber des Regierungserlasses Nr. 31/2002, der die
öffentliche Huldigung von Kriegsverbrechern sowie faschistische und
fremdenfeindliche Propaganda untersagt.
Der Vorsitzende der Liga zur Bekämpfung des
Antirumänismus (LICAR), Ion Coja, der wegen des aus wahltaktischen Gründen
eingeschlagenen, projüdischen Kurses der rechtsextremen Großrumänischen
Partei (PRM – inzwischen in Großrumänische Volkspartei - PPRM – umbenannt)
in deren Zeitschrift „România Mare“ eine Zeit lang nicht mehr
veröffentlicht wurde, meldete sich in der Ausgabe Nr. 769 vom 8.4.05 mit
einem vehementen antisemitischen Artikel wieder zu Wort. In seinem als
offener Brief an US-Präsident Bush kaschierten Text leugnet Coja erneut den
von den rumänischen Behörden zu verantwortenden Holocaust an den Juden.
Gleichzeitig macht Coja für die Zunahme des Antisemitismus in Rumänien die
Juden verantwortlich und zählt dafür 5 Ursachen auf: 1.) den ausländischen
Druck „auf die Rumänen“, Ion Antonescu als Kriegsverbrecher zu betrachten,
2.) die Tatsache, dass die hochrangigen Vertreter der kommunistischen
Partei und des Repressionsapparates in der Zeitspanne von 1944 bis 1964
überwiegend Juden waren, 3.) die „unselige Rolle“ der Juden während der als
„gestohlene Revolution“ bekannten Dezemberereignisse aus dem Jahr 1989, 4.)
die Beteiligung der Juden an den zweifelhaften Privatisierungen der
rumänischen Wirtschaft nach 1990, und 5.) den „demographischen Angriff“ auf
die „vitalen Interessen“ Rumäniens durch die von den zuständigen Behörden
verheimlichte Einbürgerung von 450 000 Juden, die darauf abzielt, den
souveränen rumänischen Staat dem „internationalen, mafiotischen,
mehrheitlich von Juden dominierten Kapital“ unterzuordnen.
Paul Goma,
ein bekannter rumänischer Dissident, der in den letzten Jahren in mehreren
unmissverständlichen Büchern (wie: Saptamâna rosie. 28 iunie-3 iulie
1940. Basarabia si evreii - Die rote Woche. 28. Juni-3. Juli 1940.
Bessarabien und die Juden -, mit einer Studie von Mircea Stanescu, Editura
Vremea XXI, Bukarest 2004) und zahlreichen Aufsätzen die Juden als
Nutznießer des Kommunismus verunglimpft und den Antisemitismus des
Antonescuregimes relativiert hatte, publizierte am 8.9. 2005 in der
Tageszeitung „Ziua“ erneut ein antijüdisches Pamphlet, in dem er sich als
Verleumdungsopfer einer gegen ihn gerichteten Kampagne darstellte. Darin
kündigte er an, gegen den Vorsitzenden des rumänischen
Schriftstellerverbandes Nicolae Manolescu Anzeige zu erstatten, weil dieser
den stellvertretenden Chefredakteur der Verbandszeitschrift „Viata Româneasca“
seines Postens enthoben hatte. Dem verantwortlichen Redakteur wurde
vorgworfen, einen als antisemitisch eingestuften Text von Goma
veröffentlicht zu haben.
„’Der rumänische Holocaust’“, heißt es auf Seite 273 des oben erwähnten
Buches von Goma, „ist eine Lüge, eine Fälschung, ein Schwindel, eine
abscheuliche Drohung (‚Portemonnaie oder Leben!’)“.
2006: Der von der internationalen Kommission
zur Erforschung des rumänischen Holocaust verfasste Bericht, der im
November 2004 vorgelegt und Anfang 2005 in einer zweibändigen Ausgabe – in
einer rumänischen und englischen Fassung – im Auftrag der Regierung vom
Polirom-Verlag in Iaşi veröffentlicht wurde, ist für die breite
Öffentlichkeit praktisch nicht zugänglich. Die gesamte Auflage der Bücher,
von denen nicht einmal einige der Kommissionsmitglieder ihre
Autorenexemplare erhalten haben, befindet sich, laut inoffiziellen Angaben,
im Bukarester Außenministerium und sollte bei verschiedenen
protokollarischen Anlässen über die rumänischen Botschaften verteilt
werden. Die von Intellektuellen redigierte elektronische Publikationen
„E-Leonardo“ Nr. 8/2006 (www.eleonardo.tk) bezeichnete den Bericht als eine
der wichtigsten rumänische Erscheinungen nach 1989 und beklagte das
fehlende Echo in den Medien. Gleichzeitig wurde den staatlichen Behörden
vorgeworfen, die Verbreitung der Studie wissentlich unterlaufen zu haben,
weil diese „eine für die rumänische Mentalität absolut umbequeme,
durchdringende und revolutionäre Botschaft enthält“. In letzter Instanz
wurde ein aus Steuergeldern geförderter „Staatssamisdat“ produziert, um auf
diese Weise der westlichen Öffentlichkeit Entgegenkommen zu signalisieren
und um pro forma einen politischen Beweis zu erbringen, Rumänien sei
tatsächlich bereit, sich seiner Vergangenheit kritisch zu stellen.
Ende
März 2006 kündigte der Polirom Verlag aus Iaşi endlich eine für das
breite Publikum gedachte Veröffentlichung des „Abschlussberichts“ an, die
an den Buchhandel ausgeliefert wurde.
Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde aus Rumänien, Aurel
Vainer hat Ion Coja wegen antisemitischer Hetze verklagt. Vainer beruft
sich auf einen von Coja in der rechtsextremen großrumänischen Zeitschrift
„România Mare“ (Nr. 800/11.11.2005) veröffentlichten antisemitischen Text.
Coja trat die Flucht nach vorn an und reagierte seinerseits mit einer
Verleumdungsklage gegen die Zeitung „Ziua“ und den Kolumnisten Gabriel
Andreescu. Dieser hatte 2005 in einem Leitartikel über den Selbstmord eines
politisch verblendeten Jugendlichen berichtet, nachdem er als Autor
antisemitischer Schmierereien identifiziert wurde. In diesem Zusammenhang
erwähnte Andreescu auch die antisemitische Agitation eines Coja und
Corneliu Vadim Tudor, ohne jedoch eine direkte Verbindung zwischen dem
Selbstmord und den Propagandaschriften der beiden erwähnten Personen
herzustellen. Das Gerichtsverfahren wurde am 18. April eröffnet.
Staatspräsident Traian Băsescu hat am 26. April die Dringlichkeitsverordnung
der Regierung (31/2002) als Gesetz ratifiziert. Das Gesetz verbietet die
rechtsextremistische Propaganda und die Gründung faschistischer,
rassistischer oder fremdenfeindlicher Organisationen. Auch die
Mitgliedschaft in solchen Organisationen sowie die Verbreitung, der Besitz
oder die Verwendung faschistischer, rassistischer oder fremdenfeindlicher
Symbole werden mit Haftstrafen geahndet. Die Holocaustleugnung wird
ebenfalls mit Gefängnis bis zu 5 Jahren bestraft.
Die Berufung
des amerikanischen Politologen Vladimir Tismăneanu an die Spitze einer
Präsidialkommission zur Erforschung der kommunistischen Diktatur löste eine
unglaubliche Welle antisemitischer Anfeindungen aus. Dem in Rumänien
geborenen Politologen wurde unterstellt, der geplante Abschlussbericht
ziele auf eine Reinwaschung der Juden als antirumänische Agenten des
Sowjetbolschewismus und der ehemaligen Parteinomenklatura. Einen
zusätzlichen Impuls erhielt die gegen den jüdischstämmigen und aus einer
Familie früherer kommunistischer Parteifunktionäre stammenden Politologen
entfachte Kampagne durch den Tod von Ion Gavrilă Ogoranu, der nach
1948 in einer Partisanenabteilung am bewaffneten Widerstand gegen das alte
Regime beteiligt war. In einem in der Tageszeitung „România liberă“
vom 5. Mai 2006 veröffentlichten Artikel über die Bestattungsfeierlichkeiten
von Ogoranu, der Mitglied der faschistischen Jugendorganisation der Legion
(die Kreuzbruderschaften – Frăţiile de cruce) und zuletzt
Vorsitzender der rechtsradikalen Partei für das Vaterland (Partidul Pentru
Patrie) war, wurde der Verstorbene als ein Symbol des antikommunistischen
Widerstands gewürdigt. Auf einem in der gleichen Zeitung veröffentlichten
Foto ist der in einem offenen Sarg aufgebahrte und mit der Fahne der
faschistischen Legion bedeckte Leichnam zu sehen. Einer unter den vier auf
dem Foto abgebildeten Männern, die die Ehrenwache am Sarg hielten, ist der
Chef der rechtsextremen Organisation „Neue Rechte“. In einer am 6. Mai
veröffentlichten Erklärung des Zentrums zur Bekämpfung des Antisemitismus
in Rumänien, MCA, (The Center for Monitoring and Combating Anti-Semitism)
wird mit Befremden festgehalten, dass auch der rumänische Regierungschef
Călin Popescu Tăriceanu zur Beerdigung einen Kranz hat schicken
lassen. Kränze wurden, laut „România liberă“, auch seitens anderer Politiker
geschickt, sowie von „der Bürgerallianz (Alianţa civică), der
Legionärsbewegung, der Neuen Rechten, der Bewegung(!) für das Vaterland,
Senatoren, Abgeordneten, Nachkommen der ehemaligen Widerstandsgruppen aus
den Bergen und sogar von der Forschungsabteilung des CNSAS“ [d.i. die
rumänische Behörde zur Erforschung der Securitateakten]. Am Grab des Toten
wurde die von Radu Gyr verfasste, traditionelle Hymne der rumänischen
Rechtsradikalen - „Die heilige Legionärsjugend“ („Sfînta tinereţe
legionară“) - angestimmt. Der rumänische Senat würdigte Ogoranu am 8.
Mai mit einer Schweigeminute. Ein Senator der oppositionellen
Sozialdemokratischen Partei (PSD) und einer von der regierenden Allianz
(PNL-PD) hielten Ansprachen, in denen sie den Verstorbenen als eine
beispielhafte antikommunistische Persönlichkeit beschrieben. Im Laufe der
gleichen Sitzung hielt auch der großrumänische Senator Mihai Ungheanu eine
aggressive Rede, in der er die Ernennung von Tismăneanu als Leiter der
Kommission kritisierte. In seiner Ansprache stellte er die Frage, warum
gerade ein Jude mit der Leitung beauftragt worden sei. (Lesen Sie dazu auch die Meinung von Liviu Rotman.)
In der Tageszeitung „România liberă“ vom 05.08. 2006 kündigt Ion
Coja die Gründung einer Gegenkommission an, die den Namen des verstorbenen
Gavrilă Ogoranu führen soll. Coja spricht sich in der Ankündigung
gegen das Geschichtsbild von Tismăneanu aus, spricht ihm die
moralische Kompetenz ab und warnt vor einer einseitigen Ächtung des
Nationalismus aus der Ceauşescuzeit. Er spricht vom „Versuch einer
Diskreditierung der Politik des nationalen Interesses“, die Ceauşescu
auf seine Weise verwirklicht haben soll. „Wir haben Gründe für die
Befürchtung, dass die erwähnte Tismăneanu-Kommission nicht den
Kommunismus verdammen wird, sondern den so genannten »nationalistischen
Kommunismus«, was ein geeigneter Vorwand sein wird, dem authentischen
Nationalismus erneut einen Schlag zu versetzen, einem Nationalismus, der
immer schon der bedeutendeste Gegner der Kominternisten gewesen ist.“
Nachdem er von der Notwendigkeit der Rehabilitierung jener spricht, die am
„Kreuzzug gegen den Kommunismus“ teilgenommen hatten, (d.h., in erster
Linie die als Kriegsverbrecher verurteilten Mitglieder des Antonescuregimes)
reproduziert er abschließend eine in rumänischen revisionistischen Kreisen
beliebte These: „Es hat keinen authentischen rumänischen Kommunismus
gegeben, sondern nur einen Kommunismus der Anderen, der in Rumänien mit
Waffengewalt eingeführt und aufrechterhalten wurde, infolge des Verrats des
Westens und so genannter Mitbürger.“
Der frühere Dissident Paul Goma hat mehrere Zeitungen und
Personen sowie einen Verlag und die Bukarester Präsidialkanzlei verklagt.
Er wirft ihnen Verleumdung und üble Nachrede vor, weil sie ihn des
Antisemitismus und der Verharmlosung des Holocaust bezichtigt haben. Die
Begründungen für sein Vorgehen veröffentlichte Goma, der in Paris lebt, in
einem Internet-Tagebuch, aus dem die rumänische Zeitung „Ziua“ vom 11. Mai einige
Auszüge zitiert hatte. Das Gerichtsverfahren wird am 30. Mai in Bukarest
eröffnet. Unter den Verklagten befindet sich auch Friedensnobelpreisträger
Elie Wiesel. (Siehe dazu den Artikel von Barbara Oertel: Prozess wegen Antisemitismusvorwurf)
Als Gast
des Bukarester Senders Realitatea-TV erklärte der rumänische Präsident
Traian Băsescu am 2. Oktober 2006, Antonescu sei ein „relativ genialer
Offizier“ gewesen. Seine größte Fehlentscheidung sei die Überquerung des Dnjestr
gewesen, fügte der Staatschef hinzu, ohne nur mit einem Satz die von
Antonescu angeordnete Vernichtung der Juden, Roma und Angehörige so
genannter religiöser Sekten zu erwähnen. (Von der Internetseite des
Präsidialamtes wurde inzwischen der Abschlussbericht der
Holocaustkommission stillschweigend gelöscht. Eine am 12. September an das
Pressebüro des Präsidialamtes gerichtete Anfrage von hjs-online, wieso der Bericht entfernt wurde, blieb
unbeantwortet.)
Am 9. Oktober, dem ofizziellen Gedenktag für die Opfer des
rumänischen Holocaust, wurde in Bukarest der Grundstein zu einem Mahnmal
gelegt. Das Holocaust-Mahnmal soll nach dem Entwurf des aus Rumänien
stammenden und heute in Pforzheim (Deutschland) lebenden Künstlers Peter
Jacobi gebaut werden. "Wir sind entschlossen, zu unserer wahren
Geschichte zu stehen", sagte Präsident Basescu bei dieser Gelegenheit.
Anlässlich der 7. Auflage der von Ion Coja, dem Chef der
Bukarester Filiale der ultranationalistischen Organisation Vatra Româneasca
in Bukarest organisierten Tagung "Rumänismus und Anti-Rumänismus"
(24.11.06) richtete dieser einen Brief an Staatspräsident Basescu, in dem
er erneut den Holocaust leugnete. In dem von einer rumänischen
Presseagentur verbreiteten und in der Zeitung "Cronica româna"
(vom 25.11.06) zitierten Brief schreibt Coja, in Rumänien habe es weder
"einen Holocaust noch einen Genozid oder ein Pogrom gegeben". Im
Laufe der Tagung sprach Coja erneut von der Notwendigkeit einer
Internationale der Nationalisten. Der frühere groß-rumänische
Parlamentarier und jetzige Vorsitzender der Vereinigten Sozialistischen
Partei (Partidul Socialist Unit - PSU) Ilie Neacsu meinte, zu solchen
Tagungen sollten in Zukunft auch Vertreter anderer Parteien - wie der
Präsident der Partei Groß-Rumänien (PRM) Corneliu Vadim Tudor oder der
Vorsitzende der Partei der Neuen Generation (Partidul Noua Generatie -
PNG), Gigi Becali - eingeladen werden. Der frühere Finanzminister Florea
Dumitrescu (1969-1978) warf den rumänischen Behörden vor, die durch den
EU-Beitritt des Landes heraufziehenden Probleme zu verschweigen.
In einem von Ion Geblescu (der Anfang November auf dem
NPD-Parteitag in Berlin eine flammende Rede hielt) in der "Jungen
Freiheit" (Nr. 41, 06.10.2006) veröffentlichten Interview wurde der
notorische Holocaustleugner Ion Coja als Bukarester Universitätsprofessor
und "Präsident der Bukarester Filiale der rechtsnationalen
Kulturbewegung Vatra Româneasca (Rumänische Heimstatt)" vorgestellt.
(Lesen Sie dazu auch den Artikel von Michael Shafir in rumänischer Sprache:
De ce n-are hac cojocul domnului Coja.)
2007: Durch den Beitritt zur Europäischen Union von Rumänien und
Bulgarien – am 1. Januar - ist im EU-Parlament eine rechtsradikale Fraktion
möglich geworden. Sie wurde unter dem Namen "Identität, Souveränität,
Tradition" (IST) am 15. Januar 2007 offiziell gegründet. Zum
Vorsitzenden wurde Bruno Gollnisch (von der französischen Front National)
gewählt. Der Fraktion gehören u.a. Abgeordnete folgender Organisationen an:
Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), Front National (Frankreich),
Soziale Aktion (Italien), Vlaams Belang (Belgien), Ataka (Bulgarien) und
Großrumänien-Partei (PRM).
Obwohl die
PRM in den letzten Jahren in ihrem aggressiv fremdenfeindlichen und
antisemitischen Ton etwas zurückhaltender geworden ist, lobt das von
Corneliu Vadim Tudor herausgegebene Blatt „România Mare“ nach wie vor die
Politik des faschistischen Militärdiktators und Hitlerverbündeten Ion
Antonescu. Schon in der ersten diesjährigen Ausgabe des Blattes (Nr.
860/05. 01. 07) wird Antonescu als ein „gerechter Kriegsführer“ bezeichnet,
der nicht nur gegen „die Wurzeln der Ungerechtigkeit“ kämpfte, sondern auch
gegen „die Philosophie einer Elite, die angesichts naserümpfender Fremder
verwelkt war“.
Einer der
großrumänischen EU-Abgeordneten sollte ursprünglich Dumitru Dragomir sein.
Dieser hatte 1998 in einer damals ihm gehörenden Zeitung die
Veröffentlichung unappetitlicher, antisemitischer Hetzartikel zugelassen.
(Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem komprimierten zip-Archiv.
Laden Sie dafür folgende zip-Datei herunter und öffnen
Sie dann die htm-Datei ion6.htm#Recrudescenta. Hier können Sie u.a. auch den
taz-Artikel vom 27.10. 1998 lesen: „Rumänien wird zur Hochburg der
Antisemiten“.)
Wegen Holocaustleugnung haben die jüdischen Gemeinden Rumäniens
am 31. 1.2007 eine Strafanzeige gegen Ion Coja gestellt.
Die israelische Botschaft aus Bukarest und die jüdischen
Gemeinden aus Rumänien forderten in einem Schreiben an den Temeswarer
Bürgermeister Ciuhandu, auf die Auszeichnung von Paul Goma mit dem Titel
„Ehrenbürger der Stadt“ zu verzichten. In dem Brief der Botschaft, der am
7. 2. auch in der rumänischen Presse zitiert wurde, wird Goma die
Verfälschung der Geschichte Rumäniens und die Verniedlichung des
rumänischen Holocaust vorgeworfen. (Über die Auszeichnung von Paul Goma
lesen Sie hier den Artikel Mihai Dinu Gheorghiu, „L'honneur perdu d'un dissident roumain“ [Die
verlorene Ehre eines rumänischen Dissidenten] erschienen in Le Monde vom
30. 05. 2007.)
Die Bukarester Zeitung „Adevarul“ berichtet in ihrer Ausgabe
vom 19. Februar 2007, dass ein Bukarester Gericht die von der
Nachkriegsjustiz verhängten Urteile gegen Ion Antonescu und 22 seiner
Minister teilweise aufgehoben habe. Die umstrittene gerichtliche
Entscheidung ist bereits am 5. Dezember 2006 gefallen, Einzelheiten wurden
jedoch erst jetzt bekannt.
Das
Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und Europäische Integration der
Republik Moldau veröffentlichte am 23. Februar ein Kommuniqué, in dem es
seine Sorge hinsichtlich der von der rumänischen Justiz verkündeten
Rehabilitierung von Ion Antonescu ausdrückt. Gleichzeitig zeigt sich das
moldauische Außenministerium darüber besorgt, „die Aktionen von Marschall
Antonescu während des Zweiten Weltkriegs“ zu revidieren und die Besetzung
der Sozialistischen Sowjetischen Moldawischen Republik sowie der
Nordbukowina als rechtmäßig anzuerkennen. „Diese Entscheidung wurde von der
gesamten moldauischen Öffentlichkeit sowie von jenen, die sich an die
Gräuel des Holocaust aus den Jahren 1941 bis 1944 erinnern, mit Empörung aufgenommen“,
heißt es in dem Dokument. „Es ist allbekannt, dass Antonescu während seines
‚Befreiungszuges’ in der Sozialistischen Moldauischen Sowjetrepublik über
300 000 Juden und Mitglieder anderer Nationalitäten vernichtet hat.“ Das
Außenministerium spricht von einem gefährlichen Präzedenzfall der
rumänischen Justiz im Falle der Rehabilitierung von verurteilten Personen,
deren Taten „von der internationalen Öffentlichkeit als Eroberung,
Aggression und Okkupation eingestuft werden“. „Als solche Tatbestände müssen
auch die gemeinsamen Handlungen der rumänischen Regierung und der des
faschistischen Deutschlands in der Zeit vom 22. Juni 1941 bis zum 23.
August 1944, auf dem Territorium der heutigen Republik Moldau, angesehen
werden“, heißt es abschließend in dem Dokument, in dem der rumänischen
Justiz vorgeworfen wird, ein Urteil gefällt zu haben, das „nicht den
europäischen Standards und den Werten eines vereinigten Europa entspricht“.
(Weitere Einzelheiten können Sie hier lesen.)
Der
revisionistische Historiker und Universitätsprofessor Petre Ţurlea
veröffentlicht in der Wochenschrift „România Mare“ (Nr. 881/1.6.2007) einen
Artikel anlässlich des Jahrestags der Hinrichtung von Ion Antonescu (am 1.
Juni 1946), in dem er den Diktator als eine der „größten militärischen und
politischen Persönlichkeiten der Rumänen“ und als einen „Märtyrer im Kampf
für die nationale Befreiung“ darstellt. „Er war der Mensch, der im
Hintergrund die großen Siege des Ersten Weltkrieges vorbereitet hat, Siege,
die die Große Vereinigung von 1918 ermöglichten. Er war der Mensch, den
Rumänien während des Zweiten Weltkrieges brauchte und der versucht hatte,
die Grenzen des Landes wieder herzustellen.“ Den Krieg gegen die UdSSR
bezeichnet Ţurlea in seinem Würdigungsartikel als einen „vom gesamten
rumänischen Volk gebilligten Befreiungskampf“. In dem selben Artikel
fordert er die Aufhebung des „ungerechten Urteils“ von 1946 und erinnert
daran, dass bereits im vergangenen Jahr ein Gericht den Anklagepunkt
(„gegen die UdSSR gerichteter Angriffskrieg“) aufgehoben hat.
Anlässlich des
80. Jahrestages der Gründung der faschistischen Legion organisierte die
Partei für das Vaterland (Partidul pentru Patrie) und die ihr nahestehende
Stiftung „Prof. George Manu“ am 23. Juni eine Gedenkveranstaltung für die
verstorbenen Gardisten Radu Mironovici und Corneliu Georgescu. Die
Teilnehmer an der Feier, die im Dorffriedhof von Ţigăneşti
stattgefunden hatte, grüßten mit erhobenen Armen und sangen die düstere
„Hymne der gefallenen Legionäre“. Gleichzeitig fand an dem Gedenkkreuz für
Corneliu Codreanu in der Nähe der Gemeinde Tâncăbeşti eine
Mahnwache statt. Laut rumänischen Presseberichten soll der Vorsitzende der
Partei für das Vaterland, Virgil Totoescu bei dieser Gelegenheit seine Zweifel
am rumänischen Holocaust geäußert haben. Dem gleichen Jubiläum war eine am
24. Juni in Bukarest von der Neuen Rechten organisierte Tagung gewidmet, an
der u.a. auch NPD-Vorstandsmitglied, Jens Pühse teilgenommen hatte. Unter
den Referenten befanden sich noch Vertreter rechtsradikaler Gruppierungen
aus Griechenland, Frankreich; Italien und Spanien, sowie der wegen seiner
holocaustskeptischen Aussagen bekannte Ion Coja.
In einer nicht
repräsentativen elektronischen Umfrage unter den Lesern der Bukarester
Zeitung "Gardianul" vom 30. Juli 2007 sprachen sich 78,71 Prozent
für die Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an Ion Antonescu aus. Nur
21,79 % der Teilnehmer an der Befragung waren dagegen.
Die Verherrlichung Antonescus geht unvermindert weiter. Nachdem
die Zeitung "Jurnalul National" (11.09. 2007) "das tragische Schicksal"
Antonescus mit dem der Helden aus den Dramen Shakespeares verglichen hatte,
forderte das ultrarechte internationale Nachrichtenportal
"AlterMedia" auf seiner rumänischen Seite (vom 20. 09. 2007) die
Schaffung einer "Antizionistischen Internationale", die sich den
Versuchen jüdischer Kreise, die Weltöffentlichkeit von der Existenz des
nicht stattgefundenen Holocaust zu überzeugen, entgegenstemmen solle.
Vasile I. Zarnescu, der Unterzeichner des Internetbeitrags, zitiert u.a.
ein von Ion Coja im Juni verfasstes Schreiben, in dem von den israelischen
Behörden die Herausgabe der "ungefälschten" Memoiren Wilhelm
Fildermans gefordert wird. Laut Coja enthalten die Memoiren Fildermans (1882—1963),
der während des Antonescuregimes Vorsitzender der jüdischen Gemeinden
Rumäniens war, die Beweise für die humane Behandlung der Juden durch den
Bukarester Hitlerverbündeten.
Das so genannte Filderman-Testament wird in zahlreichen Schriften rumänischer
und ausländischer Revisionisten immer wieder als Beleg für den nicht
stattgefundenen Holocaust zitiert. Der Historiker Jean Ancel hatte zuletzt
in einem ausführlichen Beitrag in der Wochenschrift "22" (Nr.
864, 13.10.-19.10. 2006 ) auf die Nichtexistenz eines Filderman-Testaments
hingewiesen.
Anlässlich
des rumänischen Holocausttages, der am 9. Oktober zum vierten Mal begangen
wurde, zeichnete Präsident Basescu elf Überlebende mit Staatsorden aus. Am
gleichen Tag wurden die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, aus der
hervorging, dass 66 % der Befragten den Holocaust nur mit den von
Hitlerdeutschland begangenen Gräueltaten in Verbindung bringen. 46 % der
Befragten sehen in Antonescu einen "großen Patrioten" und 44 %
einen "großen Strategen". Etwa 1/3 der Befragten sind der
Meinung, Antonescu müsse rehabilitiert werden, für das, was er für Rumänien
geleistet hat. 24% der Befragten sind sogar der Meinung, Antonescu sei ein
"demokratischer Führer" gewesen, während 27% diese Auffassung nicht
teilen.
Die rechtsradikale großrumänische Tageszeitung "Tricolorul" (vom
11.10.07) kommentierte hämisch die Auszeichnung der Überlebenden, leugnete
erneut den Holocaust und beschimpfte gleichzeitig den Direktor des
Bukarester Holocaustinstituts Mihai Ionescu als einen
"speichelleckerischer Zigeuner".
2008: Das rumänische Fernsehen (TVR) strahlte am 11. März 2008 eine
Meldung aus, in der die bevorstehende Rehabilitierung des 1946 zusammen mit
mehreren engen Mitarbeitern des faschistischen Militärdiktators Ion Antonescu
als Kriegsverbrecher hingerichteten Gheorghe Alexianu (Gouverneur von
Transnistrien) durch das Oberste Berufungsgericht angekündigt wurde. Gegen
die einseitige Darstellung der Antonescu-Diktatur in der Nachrichtensendung
von 19 Uhr protestierte das Zentrum zur Überwachung antisemitischer
Umtriebe. Einzelheiten erfahren Sie hier...
Das
Oberste Kassationsgericht Rumäniens (Înalta Curte de Casaţie şi
Justiţie) hat dem Einspruch der Staatsanwaltschaft stattgegeben und
die im Dezember 2006 vom Bukarester Appelationsgericht verfügte, teilweise
Rehabilitierung des faschistischen Militärdiktators Ion Antonescu und 20
seiner engsten Mitarbeiter am 6. Mai 2008 wieder aufgehoben. Der 1946
während des Prozesses erhobene Anklagepunkt „Verbrechen gegen den Frieden”,
befand das Appelationsgericht 2006, sei nicht gerechtfertigt gewesen.
Rumänien habe in der ersten Phase des Zweiten Weltkriegs bloß die 1940 von
den Sowjets annektierten Gebiete, Bessarabien und die Nordbukowina,
zurückerobern wollen. Deshalb sei die Beteiligung Rumäniens am Überfall auf
die Sowjetunion legitim gewesen.
Der
Revisionsprozess wurde von Şerban Alexianu, dem Sohn des früheren
Gouverneurs von Transnistrien, Gheorghe Alexianu, angestrengt. In dem 1946
gegen die wichtigsten rumänischen Kriegsverbrecher stattgefundenen Prozess
wurde Gheorghe Alexianu zusammen mit Ion Antonescu, dem Chef der
Gendarmerie, Unterstaatssekretär im Innenministerium, General Constantin Z.
Vasiliu sowie dem Außenminister und Vizepremier Mihai Antonescu für
schuldig befunden, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Dem
Verteidigungsminister General Constantin Pantazi, dem rumänischen
Judenkommissar Radu Lecca und dem Chef der Geheimpolizei, Eugen Cristescu
wurde die Todesstrafe erlassen und in eine lebenslängliche Haftstrafe
umgewandelt.
Der Sohn von
Alexianu versuchte nicht nur eine vollständige Rehabilitierung seines
Vaters gerichtlich zu erreichen, sondern auch die Rückerstattung dessen
beschlagnahmter Liegenschaften durchzusetzen. Weitere Einzelheiten erfahren
Sie hier...(externer
link).
Anlässlich des
in diesem Jahr auf den 6. Oktober vorgezogenen Holocaustgedenktages
veröffentlichte Ion Coja im Namen der nationalistischen Organisation
"Vatra Românesca" (Rumänische Heimstätte) einen Artikel, in dem
er den von den rumänischen Behörden initiierten Mord an den einheimischen
Juden bestreitet. Der im großrumänischen Parteiblatt "Tricolorul"
veröffentlichte Artikel trägt die Überschrift: "Der Gedanke, ein
Denkmal für die Juden und Zigeuner, Opfer des Antonescu-Genozids, zu
errichten, widerspricht der historischen Wahrheit".
"Die offizielle Anerkennung eines angeblichen, von Rumänen gegen die
Juden verübten Holocaust ist das Werk des korruptesten Ministerpräsidenten
aus der Geschichte Rumäniens", schreibt der bekannte Holocaustleugner.
Die Errichtung des geplanten Holocaustmahnmals bezeichnet er als "eine
Geste der Verachtung" seitens der heutigen politischen Klasse
gegenüber dem rumänischen Volk und der Geschichte des rumänischen
Volkes". Die Zustimmung zur Errichtung des Mahnmals setzt er mit
Vaterlandsverrat gleich, mit einer "Eskalation der Lüge" und
einer "antirumänischen Diversion". "Was mit den von
Antonescu jenseits des Dnjestr deportierten Juden und Zigeunern geschehen
ist, war kein Genozid, sondern ein legitimer Selbstverteidigungsakt der
rumänischen Behörden, die inmitten des Krieges mit der fehlenden Loyalität
einiger Juden und Zigeuner konfrontiert waren, die nachweislich Agenten der
UdSSR waren oder im Verdacht standen Agenten zu sein."
"Kein einziger Zigeuner wurde deportiert, weil er ein Zigeuner
war", schreibt Coja weiter. Die Errichtung eines Mahnmals für die
Juden und Zigeuner hieße, "die fehlende Loyalität für den rumänischen
Staat und die Verbrechen gegen das rumänsche Volk zu ehren".
Eine Schändung
von Gräbern bislang nie dagewesenen Ausmaßes wurde am 23. Oktober im
Bukarester jüdischen Friedhof, in der Soseaua Girgiului, festgestellt. In
einer Erklärung der jüdischen Gemeinschaft ist die Rede von 131
beschädigten Grabplatten und Denkmälern und einem Schaden von 2,5 Millionen
Lei. Auf dem rund 35 000 Gräber umfassenden Friedhof sind auch einige Opfer
beerdigt, die während des Holocaust ermordet wurden. Friedhofsverwüstungen,
Schändungen von Synagogen und jüdischen Einrichtungen sowie antisemitische Schmierereien hat es in
den vergangenen Jahren immer wieder gegeben.
2009: Christlich-orthodoxe Fundamentalisten schüren die Furcht vor
dem Weltuntergang, hetzen gegen Minderheiten, die Europäische Union und
plädieren für die Rehabilitierung von Faschisten. Einzelheiten hier:
Das Elie-Wiesel-Institut zur Erforschung
des Holocaust in Rumänien fordert Anfang März den Präfekten des Kreises
Neamt auf, Ion Anonescu die postume Ehrenbürgerschaft der Stadt Piatra
Neamt abzuerkennen. Den Titel eines Ehrenbrügers erhielt Antonescu 1999.
Bereits 1994 wurde in Piatra Neamt ein Antonescu-Denkmal errichtet, das
jedoch 2002 geschleift wurde. Im gleichen Jahr wurde der Antonescu-Platz in
Bahnhofsplatz – Piata Garii - umbenannt.
Der Stadtrat
von Piatra Neamţ hat dem früheren faschistischen Militärdiktator Ion
Antonescu (1940-1944) die Ehrenbürgerschaft aberkannt. Der Beschluss zur
Aberkennung der Ehrenbürgerschaft wurde am 29.4.2009 gefasst, nachdem das
Institut zur Erforschung des Holocaust aus Bukarest gegen die Verleihung
des postumen Titels protestiert hatte.
Am 24. April
wurden erneut Gräber in einem jüdischen Friedhof verwüstet. Diesmal hatten
Unbekannte 24 Gräber in Botoşani geschändet. Wie auch in anderen
Fällen, verharmlosten die Behörden den Vorfall und schlossen somit ein
antisemitisches Motiv aus.
Anlässlich der
Übersetzung ins Französische des "Schwarzbuches" von Matatias
Carp verfasste Ion Coja ein ätzendes antisemitisches Pamphlet (AlterMedia,
8. und 13. 5. 2009), in dem er den Judenmord Antonescus leugnet und den
Juden unterstellt, sie würden den Holocaust für ihre "Geschäfte"
missbrauchen. Das von Carp nach 1945 verfasste "Schwarzbuch" (das
1996 in einer Neuauflage gedruckt wurde) bezeichnet er ironisch als
"ein Buch aus dem der Holocaust aus Rumänien entsprungen ist",
als "Talmud der neuen Religion" und als "Bibel der
Holocaustologen". (Der Begriff "Holocaustologe" ist übrigens
eine Neuschöpfung von Paul Goma, die in den letzten Jahren gerne von all
jenen benutzt wird, die den Völkermord an den Juden und Roma leugnen,
verharmlosen oder lächerlich machen.)
Am 10. Juni kündigte
Coja in einem AlterMedia-Interview an, im Herbst für das Amt des
Staatspräsidenten - als Unabhängiger - kandidieren zu wollen. Auch 1996
hatte er die Absicht, sich für das höchste Amt im Staate zu bewerben,
verzichtete dann jedoch auf eine Kandidatur.
Die
"christliche und europäische Volkszeitung" der im Europaparlement
vertretenen, rechtsradikalen Großrumänienpartei (PRM),
"Tricolorul" beginnt in ihrer Ausgabe vom 18. August 2009 die
antisemitische Hetzschrift, "Die Protokolle der Weisen Zions" in
Fortsetzungen nachzudrucken. Eine erste rumänische Übersetzung der
"Protokolle" stammt von dem 1937 in Spanien gefallenen
faschistischen Legionär Ion I. Moţa. Nach der Wende von 1989 druckten
wiederholt rumänische Publikationen Auszüge aus den "Protokollen".
1998 veröffentlichte der Bukarester Lucman-Verlag eine Ausgabe dieses 1903
von der zaristischen Geheimpolizei Ochrana fabrizierten Machwerks
(Протоколы
Сионских
мудрецов), in der
Erstübersetzung von Ion Moţa.
"In
Rumänien hat kein Holocaust stattgefunden," behauptet die
groß-rumänische Wochenschrift "România Mare" in ihrer Ausgabe vom
28. August 2009. Gleichlautende Behauptungen setzte das Blatt in den
letzten Wochen wiederholt in Umlauf. Gleichzeitig wurde am 27. August in
der groß-rumänischen Tageszeitung "Tricolorul" ein angeblich aus
der Nachkriegszeit stammendes antisemitisches Manifest veröffentlicht, in
dem die so genannte "judeo-kommunistische Gefahr" thematisiert
wird.
Der orthodoxe
Priester, Anatolie Cibric von der Kirche der Heiligen Paraschiva aus
Kishinow/Chişinău hatte am Sonntag, den 13. Dezember, etwa 100
Gläubige angestachelt, eine im öffentichen Raum aufgestellte Menora zu
entfernen und durch ein Kreuz zu ersetzen. Im moldauischen Fernsehen
begründete er diesen als antisemitisch eingestuften Akt als berechtigt,
weil, wie er sagte, die Moldau ein christlich-orthodoxer Staat sei und die
Rumänen ein orthodoxes Volk seien. In einer Predigt, die er am Sonntag vor
seinen fundamentalistischen Mitstreitern hielt, beschimpfte er die Juden,
indem er den pejorativen Ausdruck "jidovi" benutzte.
2010: Obwohl in Rumänien jegliche faschistische Tätigkeiten
verboten sind, fand am 16. Januar in der Bukarester Universität ein von der
neolegionaristischen Gheorghe-Manu-Stiftung
organisiertes Symposium statt, das der Erinnerung der beiden, im spanischen
Bürgerkrieg gefallenen Legionäre, Ion Moţa und Vasile Marin, gewidmet
war. Am gleichen Tag fand in der Bukarester Ilie-Gorgani-Kirche ein Requiem für die am 13. Januar 1937
verstorbenen „Legionärshelden“ statt. Ein Gedenkgottesdienst anlässlich des
gleichen Jahrestages fand am 9. Januar auch in der Kirche Groapa, in
Sibiu/Hermannstadt, statt. Die beiden Priester Gheorghe Bogdan
(griechisch-katholisch) und Constantin Mitea (orthodox) hielten bei dieser
Gelegenheit eine Predigt, in der sie auf die Notwendigkeit verwiesen, „die
Flamme des Christentums und des rumänischen Nationalismus wach zu halten“.
Für die Interessenten war in der Hermannstädter Kirche ein Verkaufsstand
mit Legionärsschriften eingerichtet worden.
Am Vortag des
65. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz (27. Januar 1945)
veröffentlichte der Vorsitzende der nationalistischen Organisation Vatra
Românească (Rumänische Heimstätte) Ion Coja erneut einen
provozierenden Artikel, in dem er den rumänischen Holocaust leugnet. Coja
kritisiert in seinem in der groß-rumänischen Tageszeitung „Tricolorul”
abgedruckten Artikel einen Gerichtsbeschluss, wonach einem nach
Transnistrien deportierten Juden aus Galaţi eine Entschädigung gezahlt
werden muss.
Anlässlich der
Vorstellung der gesammelten Werke „Opera omnia“ des revisionistischen
Historikers Ion Buzatu, in der Bukowinabibliothek von Suceava, haben
mehrere Teilnehmer sowie der geehrte Autor den Holocaust geleugnet. Bei
dieser Gelegenheit fand eine Konferenz statt, die von Gabriel
Cărăbuş geleitet wurde, einem Mitglied der regierenden und
Präsident Băsescu nahestehenden Liberaldemokratischen Partei (PD-L).
Cărăbuş war vor seinem PD-L-Beitritt Mitglied der
großrumänischen Partei (PRM) und danach der Sozialdemokratischen Partei
(PSD). Ein Videomitschnitt der am 18. 2. 2010 stattgefundenen Veranstaltung
wurde in mehreren Teilen am 25. Mai 2010 auf Youtube
gepostet.
Mit unflätigen
Beschimpfungen wurde der Filmemacher Florin Iepan in der Zeitung
"Adevărul" (vom 8. 6. 2010) traktiert. Der Verfasser des
Artikels, in dem vom Projekt Iepans berichtet wird, über das von Antonescu
angeordnete Massaker von Odessa einen Film zu machen, wird als Jude beschimpft.
"Antonescu war und ist ein großer Held," schlussfolgert ein
Leser. Ähnlichen Beschimpfungen war Iepan bereits vor 2 Jahren ausgesetzt,
als er in einem von "HotNews" (vom 6.8.08) veröffentlichten
Interview erstmals über sein Filmprojekt berichtete und die Weigerung
vieler Rumänen angesprochen hatte, sich kritisch ihrer faschistischen
Vergangenheit zu stellen.
Bei dem im Oktober 1941 stattgefundenen Massaker wurden etwa 20 000 Juden
ermordet. Andererseits zirkuliert im Internet seit einigen Monaten ein
Aufruf, sich die aus dem Jahr 1942 stammende italienisch-rumänische
Koprodukion (Regie: Carmine Gallone, Drehbuch: Nicolae Kiriţescu)
"Odessa in Flammen" anzusehen. Der billige Propagandaspielfilm
wird als bei den Festspielen aus Venedig 1942 ausgezeichnete,
"herausragende filmische Leistung" angepriesen.
Der
Generalsekretär der groß-rumänischen Partei (PRM) Gheorghe Funar erklärte
am 14. Juni, am Vortag des 121. Todestages von Mihai Eminescu (1850-1889),
dieser sei gezielt von den Juden ermordet worden. Den langsamen Tod habe
der jüdische Arzt Francisc Isack durch Quecksilberinjektionen
herbeigeführt. Der Mord wird als eine von ausländischen Feinden ausgeheckte
Racheaktion beschrieben. Diese sei eine Reaktion auf die kritische Haltung
des spätromantischen rumänischen Nationaldichters gegenüber der ethnischen
und wirtschaftlichen Unterwanderung des rumänischen Volkes durch die Juden
gewesen. Funar fordert das „auserwählte Volk“ auf, sich zu dieser Tat zu
bekennen, nachdem es Eminescu 121 Jahre lang als fremdenfeindlich und
antisemitisch zu diskreditieren versuchte. Eminescu gilt als eine
Galionsfigur rumänischer Nationalisten und wird in den programmatischen
Schriften der faschistischen Eisernen
Garde als deren „Apostel“ verehrt. Eminescu behauptete die Juden hätten
die Rumänen mit ihrer „moralischen und physischen Dekadenz angesteckt“,
deshalb müsse man diese „unproduktive Rasse“ „zur produktiven Muskelarbeit
zwingen“. Der Eminescu-Kult kulminierte Anfang dieses Jahres in der
Forderung einer ultranationalistischen „Schriftstellerliga“ aus
Klausenburg/Cluj, den Nationaldichter heilig zu sprechen.
Vor der
israelischen Botschaft in Bukarest demonstrierten am 3. August 2010 mehrere
Vertreter der Organisationen Mişcarea pentru Libertate (Bewegung für
die Freiheit), Asociaţia Victimelor Mineriadelor 1990-1991 din România
(Die Vereinigung der Opfer der Bergarbeitereinsätze aus Rumänien
1990-1991), Asociaţia Baricada Inter 1989 (Die Vereinigung Barrikade
am Inter[continental Hotel] 1989), Asociaţia pentru Apărarea
Drepturilor şi Refugiaţilor (Die Vereinigung zum Schutz der
Rechte und Flüchtlinge) . Deren Sprecher Rechtsanwalt Mihai Rapcea, Viorel
Ene, Ion Iofciu und Mircea Surdu übergaben bei dieser Gelegenheit einen an
den israelischen Präsidenten Shimon Peres gerichteten offenen Brief, der
den Titel trägt „Rumänien ist nicht der Gazastreifen“. In dem Brief
forderten sie diesen auf, den "kommunistischen Holocaust" und die
kommunistischen Juden, die dafür verantwortlich sind, öffentlich zu
verurteilen. Gleichzeitig protestierten sie gegen die Einmischungsversuche
in die inneren Angelegenheiten Rumäniens und gegen den "Angriff auf
das orthodoxe Christentum" seitens einiger "unverschämter"
"Vertreter der jüdischen Gemeinde". Diese, heißt es in dem
Schreiben, fordern von der rumänischen Nationalbank, Münzen aus dem Verkehr
zu ziehen, auf denen die "heiligen Patriarchen der
rumänisch-orthodoxen Kirche" abgebildet sind. (Ein Vertreter des
Holocaust-Museum aus Washington hat, laut "Haaretz" vom 2.8., sein
Befremden darüber ausgedrückt hat, dass die rumänische Nationalbank
beabsichtige, eine Silbermünze in Umlauf zu bringen, auf der das Bild des
orthodoxen Patriarchen Miron Cristea, 1868-1939, abgebildet werden soll.
Cristea war zeitweilig auch Ministerpräsident und hatte an der Durchsetzung
antijüdischer Gesetze mitgewirkt.)
Der Brief enthält im Anhang eine Liste mit Namen von Juden, die für die
Verbrechen des kommunistischen Regimes verantwortlich gemacht werden.
Darunter befinden sich auch Nichtjuden wie beispielsweise der
stalinistische Innenminister Teohari Georgescu, der in antisemitischen
Kolportagen unter dem nicht belegten Namen „Burah Tescovici“ als NKVD-Agent
beschrieben wird.
Eine ähnliche Demonstration hatte es bereits Anfang Juli vor der
amerikanischen Botschaft gegeben. Bei dieser Gelegenheit forderten die
gleichen Organisationen die USA auf, den in Rumänien geborenen
jüdischstämmigen Historiker und Politologen, Vladimir Tismăneanu, der
sich in Rumänien mit der Aufarbeitung des rumänischen Kommunismus beschäftigt,
zurück nach Amerika zu holen. In einem Brief an den amerikanischen
Botschafter vom 7. Juli wird Tismăneanu als „arrogant und impertinent“
bezeichnet. Diese „Eigenschaften, heißt es in dem Brief, seien typisch „für
Fremde und jüdische Mitbürger, die 1944 auf den sowjetischen Panzern
sitzend nach Rumänien gekommen sind, um mit Hilfe des NKVD die
grauenhafteste Diktatur zu errichten.“ Siehe dazu auch taz-online
vom 17.8. 2010.
Im Rahmen der
von Eugenia Vodă moderierten Sendung „Profesioniştii“ strahlte
das öffentlich-rechtliche Fernsehen (TVR1) am 13. November ein Gespräch mit
dem Journalisten Ion Cristoiu aus. Darin verklärte dieser unwidersprochen
den Führer der terroristischen und faschistischen Legion, Corneliu Zelea
Codreanu zu einem romantischen Helden. Gegen diese Verniedlichung innerhab
einer Fernsehsendung protestierten über 100 Intellektuelle. Die Folge davon
war eine Rüge des Fernsehens seitens des Medienrats (CNA), der von 10
rechtskonservativen Intellektuellen (Gabriel Liiceanu, Andrei Pleşu
u.a.) als politisch einseitig und als eine der „politischen Korrektheit“
verpflichteten Maßnahme kritisiert wurde.
2011: Der Generalsekretär der großrumänischen Partei und Ex-Bürgermeister
der Stadt Cluj/Klausenburg, Gheorghe Funar veröffentlicht in der Zeitung
"Tricolorul" vom 11.
Februar 2011 unter dem Titel "Exterminatorii" erneut einen
konspirologischen Angriff auf die Juden, indem er die alte These von der
Verwandlung Rumäniens in einen Judenstaat aufgreift. Rumänien wurde in den
letzten beiden Jahrzehnten in ein Vernichtungslager verwandelt, in dem man
die einheimische Bevölkerung ausrotte, um Lebensraum für die Juden zu
schaffen und um Rumänien in ein neues Israel zu verwandeln.
Bei der
Geburtstagsfeier des orthodoxen Mönchs Justin Pârvu (92), Abt des Klosters
Petru Vodă, am 10. Februar 2011, gratulierten ihm Nonnen und
Geistliche, indem sie mehrere Lieder der faschistischen Eisernen Garde
sowie einige nationalistische Lieder, denen legionaristisch ausgerichtete
Strophen hinzugefügt wurden, anstimmten. Bei der Feier wurde u.a. auch die
berüchtigte Legionärshymne "Sfînta tinereţe legionară"
("Heilige Legionärsjugend") gesungen, deren Text aus der Feder
des Dichters der terroristischen Eisernen Garde, Radu Gyr stammt. Eine
Montage mit diesen Liedern wurde auf Youtube gepostet. Gegen die
Verherrlichung der Legion innerhalb der rumänisch-orthodoxen Kirche
protestierte beim Patriarchat am 18. Februar die Organisation MCA, die sich
zum Ziel gesetzt hat, auf jegliche Formen antisemitischer Hetze in der
rumänischen Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. Bukarester Zeitungen
berichteten am Montag, den 21.2., dass die Staatsanwaltschaft des Bezirks
Neamţ, wo sich das Kloster befindet, Ermittlungen wegen
legionaristischer Hetze auf Youtube eingeleitet habe. Youtube weigerte sich
bislang die rechtsextremen Videos zu löschen. In einer am Montag, den
21.2., um 18:45 Uhr veröffentlichten Erklärung des Pressebüros der
Patriarchie wird erstmals zu den Vorwürfen Stellung genommen. Aus der
Erklärung geht hervor, dass sich das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche die
Hände in Unschuld wäscht und die Verantwortung für die Vorfälle in dem
Kloster dem Erzbistum Iasi zuschiebt. Dies unter Berufung auf die autonomen
Lokalstrukturen der Kirche. Das Petru-Vodă-Kloster fällt in den
kanonischen Zuständigkeitsbereich des Erzbistums aus Iaşi. Dies ist
die einzige kirchliche Behörde, die Maßnahmen ergreifen kann im Falle von
Verstößen gegen die innerkirchliche Disziplin und die kanonischen
Vorschriften, heißt es weiter in der Erklärung, in der abschließend noch
darauf verwiesen wird, dass die Patriarchie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit
und Antisemitismus ablehnen würde. Am Dienstag, den 22.2., veröffentlichte
das orthodoxe Erzbistum Iaşi eine Erklärung, in der die Vorgänge
während der Geburtstagfeier kritisiert werden. Die Erklärung enthält auch
einen Aufruf an alle Geistlichen, Nonnen und Mönche sich der Verbreitung
politischer Botschaften zu enthalten.
Der rumänische
Staatspräsident, Traian Băsescu hat den ehemaligen König Mihai im
Fernsehen als einen „Verräter“ und „Russenknecht“ bezeichnet. Băsescu
sinnierte öffentlich über den von den Sowjets erzwungenen Rücktritt des
Königs am 30. 12. 1947. Gleichzeitig äußerte er sich auch zu dessen Rolle
bei der Entmachtung des faschistischen Militärdiktators Antonescu am 23.
August 1944. Für seinen Beitrag am Sieg gegen Hitlerdeutschland wurde der
König mit einem hohen sowjetischen Orden ausgezeichnet. Weitere
Einzelheiten hier: taz,
6.7. 2011.
In Temeswar
fand am 3. September 2011 eine von der rechtsradikalen Noua Dreapta - Neue
Rechte - organisierte Demonstration gegen die so genannte
"Immobilien-Mafia" statt, die eigentlich die Roma
("Zigeuner-Clans") im Visier hatte. Einige Teilnehmer trugen
Hemden mit dem aufgedruckten Bild des faschistischen Legionärsführers
Corneliu Zelea Codreanu. Es wurden rassistische Slogans skandiert, darunter
auch folgende: “Afară cu țiganii din țară”, “Țigane,
nu uita, România nu-i a ta”, “Antonescu de trăia, în Siberia vă
muta” (Zigeuner raus! Vergiss nicht Zigeuner, Rumänien gehört nicht dir!
Würde Antonescu leben, dann hätte er euch nach Sibirien verschickt!)
Die Rumänische
Akademie beabsichtigt Gheorghe Manu (1903-1961) postum zu ihrem Mitglied zu
ernennen. In ihrer, auf der offiziellen Internetseite der Akademie
veröffentlichten Begründung wird Manu als ein bedeutender rumänischer
Physiker gewürdigt, dem die postume Aufnahme in die Reihen der
Akademiemitglieder aufgrund seiner wissenschaftlichen Verdienste gebührt.
Den Vorschlag zur postumen Aufnahme machten am 19. Oktober die
Akademiemitglieder, Dan Berindei, Florin Constantiniu, Dinu C. Giurescu,
Ioan Scurtu und Gheorghe Buzatu. In der Begründung wird Manu als ehemaliger
antikommunistischer Widerstandskämpfer beschrieben, der 1961 im Gefängnis
von Aiud starb. Gegen die postume Aufnahme Manus in die Akademie
protestierte am 26. 10. 2011 das Landesinstitut für das Studium des
Holocaust in Rumänien „Elie Wiesel” (INSH-EW) in einem Brief an den
Akademiepräsidenten, Ionel Haiduc. In dem vom INSH-EW-Direktor Alexandru
Florian unterzeichneten Brief wird auf die Biografie von Gheorghe Manu
verwiesen, auf seine Mitgliedschaft in der faschistischen Legion des
Erzengels Michael (auch als Eiserne Garde bekannt). Ebenso auf die
Tätigkeit einer seit 2001 bestehenden rechtsextremistischen Stiftung, die
den Namen Manus trägt (Fundaţia Profesor Gheorghe Manu) und die sich
offen auf die politische und ideologische Tradition der Eisengardisten
beruft. Unter der Schirmherrschaft der Stiftung erscheint die Monatsschrift
„Permanenţe”, die es bereits seit 14. Jahren gibt und deren
thematischen Schwerpunkte auf eine Verbreitung der faschistischen
Legionärsideologie ausgerichtet sind.
Die Stiftung ist übrigens auch eng vernetzt mit der 1993 gegründeten
rechtsextremen Partei für das Vaterland (Partidul pentru Patrie).
2012: In einem wüsten antisemitischen Pamphlet beschuldigt Ion Coja
die Juden, den Holocaust eigentlich selber organisiert zu haben. Sie haben
den Nazis schwache und gebrechliche Juden überlassen, weil sie mit diesen
Menschen Israel nicht hätten gründen können. Für die Aufbauarbeit des
jüdischen Staates benötigten sie bloß starke Menschen, die zudem auch von
der zionistischen Idee beseelt waren. Der zuerst auf seinem Blog
gepostetete Text, veröffentlichte Mihai Rapcea am 6. Januar 2012 auf seiner
Internetseite unter dem Titel: „Cine i-a trimis la Auschwitz pe cei 460.000
de evrei din Ungaria?“ (Wer hat die 460.000 ungarischen Juden nach
Auschwitz geschickt?). Die Seite von Rapcea wird mit einem Motto eröffnet,
das einen Ausspruch von Petre Ţuţea paraphrasiert: „In Gott, mit
Gott, für Gott und mein Volk“ „În Dumnezeu, cu Dumnezeu, pentru Dumnezeu și
Neamul meu“.
In einem vom
Fernsehkanal The Money Channel am
5. März 2012 ausgestrahlten Gespräch, leugnete der sozialdemokratische
Senator Dan Şova den von Ion Antonescu angezettelten Holocaust und den
Mord an über 250.000 rumänischen und ukrainischen Juden. Şova
behauptete, in Rumänien sei den Juden nichts zugestoßen. Während des
Pogroms in Iaşi/Jassy, dem im Sommer 1941 über 13.000 Juden zum Opfer
fielen, behauptet der Sprecher der PSD, seien von deutschen Soldaten nur 24
Juden ermordet worden. An dem vom 27. bis 29. Juni 1941 stattgefundenen
Pogrom habe sich kein einziger rumänischer Militärangehöriger beteiligt. In
einer vom Landesinstitut für das Studium des rumänischen Holocaust Elie Wiesel (INSHR-EW) am 6. März im
Internet verbreiteten Presserklärung werden die Ausführungen des
sozialdemokratischen Politikers scharf kritisiert und als eine Übertretung
der rumänischen Gesetzesbestimmungen beschrieben. In Rumänien ist die
Holocaustleugnung gesetzlich untersagt und wird bestraft. Einen Tag nach
dem Vorfall stellten am 7.3. die Romaorganisation Romani CRISS und das MCA
(Zentrum zur Bekämpfung des Antisemitismus in Rumänien) gegen den Senator
Strafanzeige wegen Holocaustleugnung. Die PSD hatte sich am selben Tag
halbherzig von den Aussagen ihres Sprechers distanziert. Der 1973 geborene
Şova entschuldigte sich auf seinem Blog und behauptete, man habe ihn
falsch verstanden.
Ein mit
finanzieller Unterstützung des Kreisrates Suceava veröffentlichtes
Kinderbuch von George Ungureanu, „Păţania lui Somnorilă“
[hier das Plakat
mit dem Buchumschlag] wurde am 11. April, anlässlich des 100.
Geburtstages des Autors, in einer öffentlichen Veranstaltung in der
Bibliothek „Bucovina I.G. Sbiera“
in Suceava vorgestellt. Auf dem Umschlag des Buches ist der Verfasser in
seiner Wohnung abgebildet. Zu sehen ist außerdem ein auf einem Tisch
stehendes Foto des Führers der faschistischen Legion des Erzengels Michael,
Corneliu Zelea Codreanu. Ungureanu, der Mitglied der Legionärsbewegung war,
hat in den letzten Jahren mehrere Erinnerungsbücher verfasst, in denen er
über seine Haft in der Zeit des Kommunismus berichtet. Die Lokalzeitung
„Monitorul de Câmpulung“, vom 13.10. 2011, berichtete, Ungureanu habe als inoffizieller
Mitarbeiter der Securitate einen Bekannten verpfiffen. In einer
offiziellen Stellungnahme protestierte das Bukarester Holocaust-Institut
gegen die Unterstützung eines ehemaligen Legionärs seitens staatlicher
Behörden. Rechtsradikale Internetpublikationen wie „Lupta NS“ (dt. NS Kampf - eine elektronische Postille der
Autonomen Nationalisten aus Temeswar) stimmten ein Loblied auf den
Altlegionär an und erwähnten anerkennend dessen Ernennung - während der
faschistischen Diktatur - zum Kommissar für Rumänisierung (d.i. das
rumänische Pendant zur Arisierung) einer Textilfabrik.
Gegen die
Ernennung von Dan Şova zum Delegierten Minister für Beziehungen der
Regierung zum Parlament, am 8. August 2012, protestierten das MCA und
Romani Criss. Die im März gegen den Holocaustleugner gestellte Strafanzeige
wurde von der Justiz ignoriert. Details in der taz vom 10.8.
2012.
Bei der
Präsentation der Kandidaten der Allianz Gerechtes (Rechtes) Rumänien
(Alianţa pentru România dreaptă, ARD) rezitierte der Vorsitzende
der Organisation „Neue Republik“, Mihail Neamţu, der auf den Listen
des Wahlbündnisses bei den bevorstehenden Parlamentswahlen kandidieren
wird, ein Gedicht des Legionärs Radu Gyr. Das Zentrums zur Bekämpfung des
Antisemitismus in Rumänien (MCA) forderte am 8. November die Allianz auf,
sich von dem Auftritt Neamţus zu distanzieren. Neamţu
veröffentlichte bereits als Jugendlicher in den 1990er Jahren in
neolegionaristischen Blättern. Der Verfasser des Buches „Die Grammatik der
Orthodoxie“ distanzierte sich später von diesen Texten und stellte sie als
Jugendsünden dar. Während der Kampagne für die Amtsenthebung von Präsident
Băsescu trat Neamţu im Sommer 2012 bei einer
Unterstützungsveranstaltung für den Staatschef mit einem Knoblauchzopf auf,
um damit den Satan aus den Reihen der Sozialdemokraten (PSD) zu vertreiben.
Abergläubische Rumänen schreiben dem Knoblauch magische Kräfte zu und sind
der Meinung, er könne die bösen Geister und den Teufel vertreiben.
2013: Die neocuzistische und -legionaristische NAT88 (Autonome
Nationalisten aus Temeswar, Heil Hitler) plädieren im Januar 2013 für die Sterilisierung
von Romafrauen.
Christlich
fundamentalistische und rechtsradikale Aktivisten sprengten in Bukarest die
Vorführung eines Films über Homosexuelle. Die Polizei sah tatenlos zu. Mehr
dazu hier.
"In
Rumänien hat es keinen Holocaust gegeben, sondern nur
Judenverfolgungen", erklärte Prof. Vladimir Iliescu aus Aachen in
einer Ansprache am 14. Februar 2013 in der Rumänischen Akademie, anlässlich
einer Buchpräsentation. "Der Holocaust in Rumänien ist eine kosmische
Lüge", fügte er hinzu. Seine von den Anwesenden mit Beifall
aufgenommene Rede schloss er mit der zynisch-scherzhaften Bermerkung, einen
Klub antisemitischer Philosemiten gründen zu wollen. Erst nach Protesten
seitens mehrerer Organisationen distanzierte sich die Akademie am 27. 2.
von den revisionistischen Aussagen des Holocaustleugners Iliescu in einer
im Internet veröffentlichten, offiziellen Stellungnahme.
3. März 2013
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